August Lafontaine

Hansjörg Graf stellt den bei Zweitausendundeins neu aufgelegten Roman „Quinctius Heymeran von Flaming“ von August Lafontaine vor, der von Schiller und Arno Schmidt sehr geschätzt worden ist.

„Im „Quinctius Heymeran von Flaming“ bestimmen Aufklärung und Empfindsamkeit als die beiden Komponenten eines Zeitalters nicht nur den Gang der Handlung, sondern auch das Erscheinungsbild der Charaktere: Während der Baron Flaming senior, also der Vater des Titelhelden, auf seinem Gutshof in Zaringen dem „Stammbaumwesen“ frönt und eigensinnig darauf beharrt, seinen Adel auf römische Ursprünge zurückzuführen, arbeitet sein Schützling August Lissow in einem Berliner Elendsquartier als Sozialarbeiter.“

Hans Zengeler: Gestorben wird später

Er ist endlich da, der neue Roman von Hans Zengeler mit dem Titel „Gestorben wird später“. Eine heitere, unterhaltsame Geschichte mitreißend erzählt. Ich hatte das Vergnügen, den Roman in der Rohfassung zu lesen – und war begeistert.

„Es war klar, dass es auf eine Katastrophe hinauslief. Musste es ja. Josef Bloch konnte sich nicht vorstellen, warum ausgerechnet er von den Schicksalsschlägen, die andere in den vergangenen Monaten reichlich getroffen hatten, verschont bleiben sollte. Es war Sonntag. Ihm blieben noch zwei Tage. Gleich nach dem Frühstück stieg Josef in das Zimmer unter dem Dach, um dort seinen letzten Willen zu Papier zu bringen …“
So beginnt der Roman um Josef Bloch, einen Endfünfziger, der glaubt, das Alter sei noch kein Thema für ihn. Warum auch, wo er doch bisher immer die Erfahrung gemacht hat, für viel jünger gehalten zu werden. Außerdem wirkt auch in ihm das bekannte Phänomen, dass immer nur die anderen älter werden, während man selbst glaubt, mit ewiger Jugend gesegnet zu sein. Das ändert sich für Josef schlagartig, als ihm plötzlich, ohne Vorwarnung, zwei seiner besten Freunde wegsterben, was ihn zu der Erkenntnis zwingt, dass er sich bereits mitten im Zielgebiet aufhält …
Ein durchaus heiterer Roman über das Leben und Sterben, über die Liebe und das leider unaufhaltsame Altern? Könnte sein. Manchmal allerdings zum Davonlaufen tragisch. Vor allem, wenn es einem selbst an den Kragen geht.

Eine Leseprobe finden Sie hier
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„Softcore“ – Sex, Drogen und Langeweile

Omid Nouripour hat den Roman „Softcore“ des Deutsch-Iraners Tirdad Zolghadr gelesen. Er ist in dem Buch einem psychedelisch schillernden Psychogramm der iranischen Oberschicht begegnet und stellt fest, die Teheraner-Oberschicht ist genauso dekadent wie jede andere dieser Art.

„In „Softcore“ beschreibt der Protagonist sein sporadisch geführtes Engagement für eine Galerie. Ihn treibt dabei aber nicht etwa sein Kampf für die Kunstfreiheit an, sondern eher seine dominante, wohlhabende Freundin Stella. Diese ostentativ postmoderne Lebensweise wird ihm allerdings in der politisch-explosiven Atmosphäre des Iran zum Verhängnis. Tirdad wird verhaftet, weil er einen Blumenladen filmt, er gerät in Machenschaften, die er nicht versteht, er ist ferngesteuert und überfordert und redet sich dabei ein, er würde die Welt überfordern. Die Hybris des Bohemiens in Teheran ist also eigentlich genau dieselbe wie an den anderen Orten der Handlung, seien sie Lagos, Beirut, Hamburg oder Zürich auch. Diese Grundhaltung aber ist in Teheran tödlich.“

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Die Pubertät des Martin Walser

Martin Walsers neuer Roman „Ein liebender Mann“ ist erschienen. Darin erzählt er vom alten Goethe und dessen Liebe zu einer jungen Internatsschülerin. Im Interview spricht Walser über den Altersunterschied als „neuen Rassismus“ – und verrät, warum er seinem pubertären Gehabe nie abschwören will.

„Martin Walser ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen Schriftsteller Deutschlands. Geboren wurde er am 24. März 1927 in Wasserburg am Bodensee. Nach einem Studium der Literaturwissenschaft und einer Tätigkeit als Journalist feierte Walser bereits 1957 mit seinem ersten Roman „Ehen in Philippsburg“ einen großer Erfolg. Seither macht er sich einen Namen als ein unermüdlicher Schriftsteller, dessen Produktivität im Alter noch zu steigen scheint. Dass er, kurz vor seinem 81. Geburtstag, mit „Ein liebender Mann“ einen seiner leidenschaftlichsten und klügsten Romane vorlegt, hat sich bis zum Bundespräsidenten herumgesprochen.“

Ob es lohnt, wenigstens diesen Roman Martin Walsers von Anfang bis zum Ende zu lesen, steht auf einem anderen Blatt…