Das Israel Museum in Jerusalem leiht sein berühmtes Bild “Angelus Novus” von Paul Klee kaum an andere Museen aus. “Angelus Novus” hat das schützende Haus seit 30 Jahren nicht mehr verlassen. In dieser Woche reist es nach Bern – für ganze fünf Tage und fünf Nächte. Danach kehrt es wieder nach Israel zurück. Damit möglichst viele Besucher dieses Bild sehen können, ist das Paul Klee Zentrum vom 31. Mai bis zum 4. Juni Tag und Nacht geöffnet, berichtet Uta Baier.
“Angelus Novus”, 1920 in Weimar entstanden, gehörte einst Walter Benjamin. Er hat dieses so flüchtig, und durchscheinend wirkende Wesen mit den bohrenden, fordernden Augen berühmt gemacht, denn er sah in der Aquarellzeichnung den “Engel der Geschichte”.
“Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradies her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, dass der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm”, schrieb Walter Benjamin. Das Klee-Zentrum in Bern, das eine Ausstellung zu Klees Gartenbildern zeigt, die Zauber und Paradies versprechen, nimmt die Fünf-Tages-Engels-Leihgabe aus Jerusalem zum Anlass, auch das Gegenteil des Paradieses auszustellen – die Katastrophen des irdischen Lebens, die die Künstler eben so sehr interessieren, wie die Paradiese.”
Bis zum 24. Mai findet im Zentrum Paul Klee die Ausstellung “Suche nach dem Orient – von Bellini bis Paul Klee” statt. Mehr darüber finden sie hier


