Der Politiker und Gründer der „Demokratischen Partei Libyens“,
Ahmed Schibani, über die Versöhnung von Arabern und Israelis
SPIEGEL: Sie fordern, die libysche Regierung solle dem Beispiel
Ägyptens und Jordaniens folgen und als dritter arabischer Staat
Israel anerkennen. Warum?Schibani: Wir Araber müssen uns den Realitäten stellen. Die Isra-
elis teilen dieselbe Erde wie wir, sie sind nicht vom Mars. Jahrzehn-
telang pflegten unsere Herrscher die Illusion, dass Israel von der
Landkarte gestrichen werden könne. Gleichzeitig machten Staaten
wie Saudi-Arabien oder Katar trotzdem heimlich Geschäfte mit Is-
rael. Wir sind gegen diese Heuchelei, wir wollen offen mit den Isra-
elis verhandeln.SPIEGEL: Sie haben sich auch für das Rückkehrrecht arabischer
Juden ausgesprochen.Schibani: Ja, weil die Welt vergessen hat, dass nach der Gründung
Israels über 800 000 arabische Juden ihre Heimatländer verlassen
mussten. Auch Libyen hat seine Juden vertrieben. Dieser Aderlass ist
eine Tragödie. Ich finde es peinlich, dass sich die Vereinten Nationen
in mehr als 100 Resolutionen für das Rückkehrrecht der Palästinenser
ausgesprochen haben, aber es bis heute keine einzige Resolution für
das gleiche Recht der arabischen Juden gibt.SPIEGEL: Mit welchen Versprechen wollen Sie denn zurzeit jemanden
nach Libyen locken? Das Sicherheitsproblem ist nicht gelöst, und im
ganzen Land bekämpfen sich rivalisierende Milizen und Stämme.Schibani: Glauben Sie mir, Libyen wird in den nächsten sieben Jahren
eine ganz erstaunliche Entwicklung durchmachen und am Ende eine voll
funktionsfähige Demokratie sein. Wirtschaftlich sind wir bereits eine auf -
strebende Nation, vom Bürgerkrieg haben wir uns längst erholt. Wir sind
bereit, Geschäfte mit euch Europäern zu machen.
Quelle
DER SPIEGEL
Heft-Nr. 16/2013 vom 15.04.2013
Seite 84 (Ausland)
E.S.


