Madonna und die Kabbalah

Madonnas Ehe steckt in der Krise und das hat zur Folge, dass sie Rat sucht beim Rabbi des Kabbalah-Zentrums in Los Angeles, Philip Berg. „Das Genie von Philip Berg besteht im Wesentlichen darin, dass er die jüdische Geheimlehre zu einer Variante des New-Age-Glaubens plattgewalzt hat,“ schreibt Hannes Stein, der die Kabbalah und das erklärt, was Madonna darunter versteht.

Die Kabbalah ist, um es kurz und ein wenig missverständlich zu sagen, die jüdische Gnosis. Das wichtigste kabbalistische Werk, der „Sohar“, wird Schimon Bar Jochai zugeschrieben, einem Rabbiner, der rund um die Zeit der Zerstörung des Zweiten Tempels (70 n. Chr.) in Israel lebte und zu den Autoren des Talmud gehörte. Eigentlich, so meinen viele orthodoxe Juden, seien die kabbalistischen Geheimlehren schon Abraham, Isaak und Jakob sowie Moses am Berg Sinai offenbart worden.
Tatsächlich entstand der „Sohar“ – dieses hebräische Wort bedeutet „Glanz“ – im 13. Jahrhundert in Spanien, und sein wichtigster Autor hieß Moses de Leon.
Doch ihre heutige Gestalt erhielt die Kabbalah vor allem durch jene kosmologischen Spekulationen, die sich an den Namen Isaac Luria (1534-1572) knüpfen, einen Mystiker, der im israelischen Safed lebte. Gemäß der lurianischen Kabbalah war die Schöpfung der Welt durch den „Zimzum“ gekennzeichnet, eine „Zusammenziehung“ Gottes, die zu einer Lichtexplosion und einem gewaltsamen Zerbrechen von sechs Schalen (sefirot) führte, aus denen die Welt gemacht ist. Die Aufgabe der Menschen ist es seither, die göttlichen Lichtfunken aufzusammeln, die damals verstreut wurden.
Der deutsch-jüdische Gelehrte Gershon Scholem sah in der lurianischen Kabbalah einen Versuch, eines der größten jüdischen Traumen seit der Zerstörung des Tempels zu verarbeiten: die Vertreibung aus Spanien im Jahre 1492. Das katastrophale Zerbrechen der Schalen hatten die Juden am eigenen Leib erlebt, als die Christen sie aus der iberischen Halbinsel hinauswarfen. Seither waren sie buchstäblich damit beschäftigt, Funken des Göttlichen und Gewesenen zu bewahren.
Innerhalb des Judentums war die Kabbalah immer umstritten.
Jenes stromlinienförmige theologische Produkt, das Philip Berg für den globalen Markt schuf, hat mit der lurianischen Kabbalah allenfalls den Namen gemein. Von dem tiefen religiösen Ernst, der diese Glaubensrichtung prägte, ist hier nichts mehr zu spüren. Was auch immer man der mittelalterlichen Kabbalah vorwerfen mag – sie faselte niemals von Astrologie, Telepathie, Wahrsagerei und Außerirdischen.

Doch wenn Madonnas Glaube an dieses eher monströse Werk helfe, ihre Ehe zu retten, habe dieses wenigstens etwas Gutes bewirkt…

Verbot für ein ‘Kinderbuch’

Ein atheistisches Kinderbuch erregt die Gemüter im Deutschen Bundesfamilienministerium. Es trägt den Titel „Wo bitte gehts zu Gott? fragte das kleine Ferkel“ und stammt von Helge Nyncke und Michael Schmidt-Salomon. Es soll auf den Index. Grund: Die Weltreligionen werden darin verunglimpft, besonders das Judentum.
Doch ist es wirklich ein Kinderbuch?, ist es nicht eher ein Buch für atheistische Eltern, die ihrem Kind mit diesem Buch ihren eigenen, mit Verlaub, Glauben einbläuen wollen?
“Wo bitte gehts zu Gott?”

Das Judentum, so das Ministerium, „werde als besonders Angst einflößend und grausam dargestellt“. Das stimmt, leider. Nicht nur werden bei der Darstellung des Judentums elementare Fehler gemacht, etwa indem die Synagoge vom Rabbi als „Tempel“ bezeichnet und behauptet wird, nur Juden dürften sie betreten. Einzig der Rabbi darf die schlichte Wahrheit aussprechen: „Gott, der Allmächtige, ist nicht nett!“ Eine Wahrheit, die er mit der Sintflut belegt.
Die Christen werden lächerlich gemacht, weil sie Plätzchen essen, die aus Menschenfleisch gemacht sind; die Muslime, weil sie sich so oft waschen; aber die Massenvernichtung der Ungläubigen ist in der Tat dem Juden vorbehalten. Hier wird wieder einmal deutlich: Wer sich von der Religion frei wähnt, ist oft Opfer ihrer dümmsten Vorurteile. Sicher hätten jüdische Atheisten die Sache ganz anders – weit weniger harmlos – dargestellt.

Das Buch, das ein Kinderbuch sein soll, ist derart grottenschlecht, dass es die Werbung, die ihm das Bundesministerium durch das Indexieren verschafft, nicht verdient. Schweigen wäre in diesem Fall weiser gewesen.
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Saul Friedländer

Heute gäbe es vieles über ihn zu berichten. Wir heben nur das wichtigste hervor.  Im Interview mit Johanna Adorján spricht Saul Friedländer über religiösen Fundamentalismus und Marilyn Monroes Übertritt zum Judentum.
Warum hat Saul Friedländer den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekommen.

Laudation und Dankesrede dürften morgen erscheinen.