Der koschere Knigge

Der Umgang von Nicht-Juden mit Juden ist problematisch. Der von Juden mit Nicht-Juden auch. Darum sei es gut, findet Henryk M. Broder, dass Michael Wuliger den „Koscheren Knigge“ geschrieben habe: der perfekte Leitfaden für ein humorvolles Miteinander.

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Henning Mankel: weg mit den Juden

Vor etwa einer Woche besuchte Henning Mankel Palästina und Israel. Er gehörte zu einer Delegation von Schriftstellern aus verschiedenen Kontinenten.

„Israel wird es genauso ergehen wie Südafrika unter der Apartheidzeit. Die Frage ist nur, ob die Israelis Vernunft annehmen werden und freiwillig einer Abwicklung des Apartheidstaates zustimmen werden. Oder ob es zwangsweise geschehen wird.

Auch kann niemand sagen, wann es geschieht. Der endgültige Aufruhr wird natürlich von innen kommen. Aber plötzliche Veränderungen in Syrien oder Ägypten werden dazu beitragen können.

Ebenso wichtig ist selbstverständlich, daß die USA es sich bald nicht mehr leisten können, diese abscheuliche Kriegsmaschine zu bezahlen, die Steine werfende Jugendliche von einem normalen Leben in Freiheit fernhält.

Wenn Veränderungen kommen, wird es von dem einzelnen Israeli abhängen, ob er oder sie bereit ist, auf seine Privilegien zu verzichten und in einem palästinensischen Staat zu leben. Ich stieß auf meiner Reise auf keinen Antisemitismus. Hingegen auf einen normalen Haß auf die Besatzer.
Es ist wichtig, diese Dinge auseinanderzuhalten.
Der Staat Israel hat nur eine Niederlage zu erwarten, wie alle Besatzungsmächte. „

[ mehr von Hans Branscheidt zu Mankells Rede ]

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Pius-Brüder: „Juden sind Christusmörder“

Die Mitglieder der Pius-Bruderschaft sind, das wissen wir seit Tagen, nicht ganz dicht – und der Vatikan hat nicht nur ein kleines Kommunikationsproblem. Jetzt gehen sie, als hätten sie keinen Verstand, mit allen Religionen auf Konfrontationskurs.

In einem Interview mit der Zeitung „Österreich“ sagte der Distriktsobere der Priesterbruderschaft Sankt Pius X. in Österreich, Helmut Trutt: „Die Juden haben Christus damals getötet.“ Man müsse die Juden so wie Heiden missionieren. Außerdem nannte Trutt Homosexualität eine Sünde. Von der Aussagen des umstrittenen Bischofs Richard Williamson zum Holocaust hat sich Trutt distanziert. Im Ö1-“Mittagsjournal“ sagte Trutt am Freitag, dass vom Zweiten Vatikanischen Konzil Lehren vertreten würden, die man als „Irrlehren“ oder „falsche Lehren“ bezeichnen müsse.
Der Distriktsobere der Piusbrüder in Deutschland, Franz Schmidberger, hat den islamischen Propheten Mohammed als Kinderschänder bezeichnet. Mohammed habe „mit einem Mädchen geschlechtlichen Umgang gepflegt, mit acht oder neun Jahren“, erklärte Schmidberger gegenüber dem Sender SWR. Des Weiteren sei die Rücknahme der Exkommunikation der vier SSPX-Bischöfe vor knapp zwei Wochen durch Papst Benedikt XVI. nur folgerichtig: „Es ist dringend notwendig, denn der Glaube ist sehr, sehr verwässert und wir leben in einer neuheidnischen Gesellschaft.“ Kurz darauf verkündete Schmidberger, sich nicht mehr zur Causa Williamson zu äußern, da seine „Worte verdreht und bewusst falsch ausgelegt“ werden.

Dass diese Bruderschaft untragbar ist für die katholische Kirche, muss auch ein Erz-Traditionalist wie Benedikt XVI. einsehen

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Die Juden, Israel – und wir

Bereits 1969 veröffentlichte Jean Amery: „Der ehrbare Antisemitismus“. Schon damals beschrieb er den aus dem Anti-Israelismus sich generierende Antisemitismus in der politischen Linken.

Einst war das der Sozialismus der dummen Kerle. Heute steht er im Begriff, ein integrierender Bestandteil des Sozialismus schlechthin zu werden, und so macht jeder Sozialist sich selber freien Willens zum dummen Kerl. (…) Jahrelang hat man – um einmal von Deutschland zu reden – den israelischen Wehrbauern gefeiert und die feschen Mädchen in Uniform. In schlechter Währung wurden gewisse Schuldgefühle abgetragen. Das musste langweilig werden. Ein Glück, dass für einmal der Jude nicht verbrannt wurde, sondern als herrischer Sieger dastand, als Besatzer. Napalm und so weiter. Ein Aufatmen ging durchs Land. Jedermann konnte reden wie die „Deutsche National- und Soldaten-Zeitung“; wer links stand, war befähigt, noch den Jargon des Engagements routinemäßig zu exekutieren.“

Malte Lehming hat einen Artikel zum Antisemitismus der Sozialisten geschrieben und ist der Meinung, dass Bob Dylan mit dem Lied „Neighborhood Bully“ im Jahre 1982 den Nagel auf den Kopf getroffen hat.

„Ja, der Störenfried der Nachbarschaft, er ist nur einer / Seine Feinde sagen, er ist auf ihrem Land. / Sie sind Millionen, er einer / kein Ort nimmt ihn, nirgends kann er hin. Er ist der Störenfried der Nachbarschaft.

Der Störenfried der Nachbarschaft versucht zu überleben, / dass er lebt, wirft man ihm vor. / Wehren soll er sich nicht, / eine dicke Haut soll er haben, / auf den Boden soll er sich legen und sterben, wenn sie ihm die Tür eintreten. Er ist der Störenfried der Nachbarschaft.

Der Störenfried der Nachbarschaft wurde aus jedem Land vertrieben, / als Exilant wandert er von Ort zu Ort. Vor seinen Augen wurde die Familie verstreut, seine Landsleute verfolgt und zerstört, / und immer wird ihm vorgehalten, dass er überhaupt geboren ist. Er ist der Störenfried der Nachbarschaft.

Und als er eine Mörderbande k. o. schlug, kamen die Kritiker, / alte Frauen verdammten ihn, er solle sich entschuldigen. / Dann vernichtete er eine Bombenfabrik, es freute sich niemand. / Die Bomben galten ihm. / Und er sollte sich schämen. / Er ist der Störenfried der Nachbarschaft.“

Quelle: Tipp E.S.

Broder zum Boykott der Holocaustfeier

Er ist nicht nett, der Brief, den Henryk M. Broder dem Sekretär des Zentralrates der Juden, Stephan Kramer, geschrieben hat. Er findet es gut, der Zentralrat dem Holocaust-Gedenktag fern geblieben ist.

Das ist endlich einmal eine gute Nachricht aus der deutschen Sektion der „Weisen von Zion“, nachdem man in den letzten Wochen und Monaten den Eindruck gewinnen konnte, dass bei Euch nicht immer sehr weise überlegt und gehandelt, sondern nur hektisch und kopflos reagiert wurde.

Schlecht findet er allerdings die Begründung für das Fernbleiben, dieses Nicht-persönlich-Begrüsst-werden.

Sag mal Stephan, wie lange hast du an dieser Begründung gearbeitet und gefeilt? Hast du zwischendurch gekichert oder laut aufgelacht? Ist es Dir bewusst, dass du eine wunderbare Pointe produziert hast, einen „sick joke“, mit dem Du die Brücke von der Tragödie zur Farce schlägst?

und bestätigt, dass die Juden immer höflich geblieben sind.

Wenn wir schon bereit sind, „unseren“ Holocaust mit anderen zu teilen, wollen wir diesmal wenigstens in der VIP-Loge sitzen und nicht irgendwo am Ende des Ganges.
Freilich: Es ist nicht „unser“ Holocaust. Wenn es ein Paket gewesen wäre, hätten unsere Eltern und Großeltern die Annahme verweigern können. Aber diese Option hatten sie nicht. Heute dagegen liegen die Dinge anders. „Wir“ können sagen: „Vielen Dank, ohne uns, macht Euren Holocaust alleine!“

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Pressespiegel zu Faruk Sens Juden-Türken-Vergleich

Hier geht es zum Pressespiegel in Deutscher und Türkischer Sprache

Vergleich Juden – Türken statthaft

Der Publizist Sergey Lagodinsky ist der Meinung, dass man die Diskriminierung von Juden und Türken in Deutschland durchaus vergleichen könne.

„Auch die Minderheiten Europas fühlen sich gerne wie Juden. Während die „Mehrheitsdeutschen“ damit beschäftigt sind, mit der Last der Vergangenheit fertigzuwerden, bedeutet für die Minderheiten in Europa jeder Vergleich mit Juden eine Auseinandersetzung mit der Last der Gegenwart. Durch solche Vergleiche reihen sie sich in die Opferkontinuität der europäischen Verfolgungsgeschichte ein, für die das europäisch-jüdische Schicksal paradigmatisch bleibt und dessen mörderische Zuspitzung der Holocaust bildet. Dies ist gewissermaßen ihre Art, sich in die Mehrheitskultur und -geschichte zu integrieren.
Der Leiter des Zentrums für Türkeistudien, Faruk Sen, wagte eine solche Anknüpfung, als er in einer türkischen Zeitung die heutige Diskriminierung von Türken in Europa mit der von Juden im Europa von einst verglich – freilich nicht, ohne dabei auf die Unterschiede in „Ausmaß“ und „Erscheinungsformen“ zu verweisen.(…)
Von jüdischer Warte aus betrachtet, erscheinen Vergleiche zwischen einzelnen Episoden der europäisch-jüdischen Geschichte und dem Umgang mit den heutigen Minderheiten in Europa meist als ein heikles, aber keineswegs skandalöses Unterfangen. Die Singularität des Holocaust steht außer Frage. Doch niemand beharrt auf der Singularität von jüdischen Diskriminierungserfahrungen, davor und danach.(…)
Kürzlich veranstaltete die Universität Tel Aviv eine Konferenz, bei der sich deutsche und israelische Forscher über genau diese Fragen austauschten. Die Thesen einiger (zumeist israelischer) Forscher, welche die Ressentiments gegen die Juden im 19. Jahrhundert mit denen gegen türkischstämmige Einwanderer im heutigen Europa verglichen, konnte man durchaus als zu weitgehend empfinden. Keiner indes empfand sie als ‘inakzeptabel’. Wenn man einen umstrittenen, aber zweifellos verdienten Forscher wie Faruk Sen wegen eines Vergleichs zwischen der Diskriminierungsgeschichte von Juden und dem Diskriminierungsalltag von türkischen Europäern entlässt, tabuisiert man eine wichtige Debatte.“

„Die Wohlgesinnten“ – ein Klassiker?

Andreas Isenschmid erklärt Jonathan Littells Roman „Die Wohlgesinnten“ bereits heute zu den „Darstellungen des nationalsozialistischen Judenmords“.

„Das ist ein Roman, und das ist ein Autor, vor denen man sich verneigen muss. «Die Wohlgesinnten» des 40-jährigen, französisch schreibenden Amerikaners Jonathan Littell ist ein grossartiges Buch, mag es auch zu den grausamsten der Weltliteratur gehören. Es erzählt durch die Augen des SS-Offiziers Max Aue die Geschichte des Zweiten Weltkriegs und des nationalsozialistischen Massenmords an den europäischen Juden. Es zeigt uns den Schrecken des Mordens und des Krieges in oft fast unerträglicher Detailliertheit. Doch nicht für einen Augenblick beschleicht einen der Gedanke, dass der Autor leichtfertig die Ästhetisierung des Grauens betreibt.“

Sind jetzt alle verrückt geworden oder will man die Geschichtsschreibung mit allen Mitteln der Kunst verändern?