David Grossman: „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“

Der israelische Schriftsteller David Grossman schrieb ein Epos über sein Land. Er schritt es ab, erzählte – und hoffte, seinen Sohn Uri, den Soldaten im Krieg, zu beschützen. Letzteres ist ihm misslungen, dafür hat er Weltliteratur geschreiben, schreibt Julia Encke.

Kann ein Buch ein Leben retten? David Grossman hat es gehofft. „Ich hatte damals das Gefühl – oder genauer gesagt, die Hoffnung –, dass das Buch, das ich schreibe, Uri schützen wird“, heißt es im Nachwort seines Romans, der von Beginn an anders sein sollte als seine vorhergehenden Bücher; anders als „Sei du mir das Messer“ oder „Das Gedächtnis der Haut“. Denn von seinen politischen Essays abgesehen, hat der 55-jährige Schriftsteller, der zu den größten in Israel gehört, lange versucht, gerade nicht über die erwartbaren „Unheilzonen“ zu schreiben, nicht über das, was man in Israel „ha-Mazaw“ nennt, „die Lage“. Vielmehr schrieb er über Dinge, die ihm nicht weniger wichtig erschienen: über Eifersucht, obdachlose Kinder in Jerusalem, über ein Paar, das sich eine Liebessprache erfindet.

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Henning Mankel: weg mit den Juden

Vor etwa einer Woche besuchte Henning Mankel Palästina und Israel. Er gehörte zu einer Delegation von Schriftstellern aus verschiedenen Kontinenten.

„Israel wird es genauso ergehen wie Südafrika unter der Apartheidzeit. Die Frage ist nur, ob die Israelis Vernunft annehmen werden und freiwillig einer Abwicklung des Apartheidstaates zustimmen werden. Oder ob es zwangsweise geschehen wird.

Auch kann niemand sagen, wann es geschieht. Der endgültige Aufruhr wird natürlich von innen kommen. Aber plötzliche Veränderungen in Syrien oder Ägypten werden dazu beitragen können.

Ebenso wichtig ist selbstverständlich, daß die USA es sich bald nicht mehr leisten können, diese abscheuliche Kriegsmaschine zu bezahlen, die Steine werfende Jugendliche von einem normalen Leben in Freiheit fernhält.

Wenn Veränderungen kommen, wird es von dem einzelnen Israeli abhängen, ob er oder sie bereit ist, auf seine Privilegien zu verzichten und in einem palästinensischen Staat zu leben. Ich stieß auf meiner Reise auf keinen Antisemitismus. Hingegen auf einen normalen Haß auf die Besatzer.
Es ist wichtig, diese Dinge auseinanderzuhalten.
Der Staat Israel hat nur eine Niederlage zu erwarten, wie alle Besatzungsmächte. „

[ mehr von Hans Branscheidt zu Mankells Rede ]

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Najem Wali fasziniert von Israel

Najem Walis spricht über sein Buch „Reise in das Herz des Feindes“ und über seine Begegnungen und Beobachtungen in Israel. Der irakische Schriftsteller erklärt, es sei vor allem der Multikulturalismus, der ihn an Israel fasziniert:

„Haifa ist es gelungen, im alltäglichen Leben eine gewisse Balance zwischen Juden, Arabern, Templern und Drusen hinzubekommen. Später kamen noch viele russische Juden hinzu. Diese Art Schmelztiegel hat mich immer fasziniert. Es gibt so etwas wie eine gelebte Zweisprachigkeit. Die Jugend spricht Arabisch und Hebräisch. Haifa war die einzige israelische Stadt, die in ihrer Geschichte einen Bürgermeister arabischer Herkunft hatte, der von Juden und Arabern gleichermaßen gewählt wurde. Heute hat die multikulturelle Stadt einen Bürgermeister jüdischer Herkunft, der von allen religiösen Gemeinden respektiert wird. Es wäre naiv, jegliche Konflikte zu leugnen. Die Gefahr, dass diese geschürt werden, besteht immer. In Haifa gelingt es jedoch, auf ganz pragmatische Weise an die Konflikte heranzugehen.“

Wortlaut vom Eklat am Davoser WEF

Zwischen Israels Präsident Schimon Peres und dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan ist es im Streit über den Gaza-Krieg beim Weltwirtschaftsforum in Davos zum Eklat gekommen. Darauf hat die AKP dafür Sorge getragen, dass Erdogan als Held gefeiert wurde. Damit sind weite Teile der türkischen Bevölkerung, der türkischen Politiker und der Medien nicht einverstanden.

Inzwischen sind mehrere Gerüchte zu Sinn und Zweck von Erdogans Ausraster in Umlauf. Zum einen möchte er Führer der islamischen Welt werden, zum anderen will die AKP den Schauprozess gegen Ergenekon verschleiern.

Der Wortlaut wird hier dokumentiert. Daraus geht hervor, dass Erdogan seine Redezeit sehr wohl genutzt hat.

Tipp: E.S.

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AKP bestellte Erdogan Claqueure

Als der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am frühen Freitagmorgen aus Davos kommend auf dem Atatürk-Flughafen von Istanbul eintraf, wurde er wie ein Held empfangen. Spontan aber war die nächtliche Jubelkundgebung am Flughafen nicht, berichtet Thomas Seibert aus Instanbul. Während Recep Tayyip Erdogans Jet in Davos abhob, trommelte die Istanbuler Sektion seiner Regierungspartei AKP in aller Eile so viele Anhänger zusammen, wie sie finden konnte, stattete diese mit Flaggen und Transparenten aus und hieß sie bei seiner Ankunft „Die Türkei ist stolz auf dich“ skandieren.
Einen Tag später wurde Erdogan, der „Held von Davos“, von der Realität eingeholt; der grösste Teil der Presse und seine Politikerkollegen äußerten sich nicht eben begeistert zum inszenierten Wutausbruch des Premiers. Die türkische Armee grummelte und die Diplomaten im türkischen Außenamt äußerten sich nach Zeitungsberichten besorgt darüber, dass die Krise in den Beziehungen zu Israel für die Türkei in vielen Bereichen schwerwiegende Folgen haben könne.
Nur die Hamas, die palästinensische Botschaft in Ankara, und die iranische Regierung waren noch voll des Lobes für Erdogan: sie erklärten, er werde durch sein Verhalten in Davos bei den Menschen auf den arabischen Strassen an Renommee gewinnen. Explizit sagte das der angesehene Fernsehjournalist Mehmet Ali Birand voraus.
Anlässlich einer Rede am Freitagnachmittag, forderte er seine Anhänger auf, antiisraelische Sprechchöre ab sofort wieder bleiben zu lassen. Es sei ihm bei seiner Kritik nicht um Israel oder die Juden gegangen, sondern allein um die derzeitige israelische Regierung, die den Angriff auf Gaza zu verantworten habe.

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Hamas gratuliert Erdogan

Welche eine Wohltat für den türkischen Ministerpräsidenten, der an Obama die Forderung stellt, Hamas und Hizbullah vom Status der Terroristen zu befreien:

Die radikalislamische Hamas gratulierte Erdogan am Freitag für sein «mutiges Verhalten» in Davos. «Wir werten sein Verlassen des Saals als ein Ausdruck der Unterstützung für die Opfer des von den Zionisten angerichteten Holocaust», sagte Hamas-Sprecher Fawzi Barhoum gemäss einer Mitteilung.

Heute steht Erdogan damit auf der Seite der Hamas; er hat nichts unterlassen, diesen Eindruck zu verstärken – alles im Interesse der Wahlen in der Türkei.
Die türkischen Islamisten sind an seiner Seite…

Erdogan behauptete, Shimon Peres habe sich bei ihm entschuldigt, was ein israelischer Sprecher dementiert.

Erdogan „Eroberer von Davos“

Mit Triumphgeheul ist Erdogan in der Türkei empfangen worden. Die Türken empfingen ihn mit türkischen und palästinensischen Flaggen, vereinzelt wurden auch Hamas-Fähnchen geschwenkt und antiisraelische Slogans gerufen. Auf Transparenten wurde er als „Eroberer von Davos“ bezeichnet.

Es ist paradox, dass ausgerechnet Erdogan, der die Kurden in der Türkei abschlachten lässt wie Vieh, sprach in Davos über das 5. Gebot „Du sollst nicht töten“. Als Ignatius, der Moderator, ihm die Hand auf seine Schulter legte, um ihn zu bremsen, schob Erdogan sie mehrmals zurück. Es kam zu einem Wortgefecht: Peres habe man „über 20 Minuten Redezeit“ gegeben, ihm „praktisch gar keine mehr“, entrüstete sich der Premier. Dann stand er auf, verließ das Podium mit dem Ruf, er komme nie wieder nach Davos.

Daran sollte er sich jetzt auch halten! Obwohl Klaus Schwab, versuchte, die Stimmung zu retten.

Im Nachhinein erklärt Erdogan, seine Wut richtete sich  nicht gegen Peres, sondern gegen den Moderator David Ignatius, der ihn beleidigt habe, weil Peres 25 Minuten habe sprechen können und ihm, Erdogan, nur ein paar wenige Minuten eingeräumt worden seien.

Quelle SDA

Tom Segev „Die ersten Israelis“

Tom Segevs 1986 erschienenes Buch „Die ersten Israelis – Die Anfänge des jüdischen Staates“ ist erstmals in deutscher Sprache erschienen. Arno Widmann scheint sich speziell an einigen aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten zu erfreuen – und sieht sich endlich bestätigt.

„Und so rissen sich Zehntausende von Israelis – Soldaten wie Zivilisten – Kriegsbeute unter den Nagel. Der eine nahm sich einen Lehnstuhl, der andere einen Teppich, der dritte eine Nähmaschine und der vierte einen ganzen Konzern.
Einer nahm sich eine Wohnung und ein anderer einen Weinberg. Ganz schnell und leicht bildete sich eine ganze, wenn auch kleine Klasse von Neureichen: Kaufleute, Spekulanten, Lieferanten, Beauftragte aller Sorten, Industrielle und Bauern. Einige stahlen, was sie konnten, andere bekamen die Kriegsbeute legal zugeteilt. Ein Gutteil der Transaktionen fiel in den Graubereich zwischen legal und illegal, zwischen eindeutigem Raum und offizieller Enteignung.“

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Calmy-Reys Kandidatur als UNO-Hochkommissar

Micheline Calmy-Rey soll für das Amt des UNO-Hochkommissars für Menschenrechte kandidieren. Die liberale israelische Zeitung «Ha’aretz» schreibt in ihrer gestrigen Online-Ausgabe, dass UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon mit potenziellen Kandidaten Gespräche führe. Besonders verärgert sind die Israeli, dass unter den Anwärtern auch der mexikanische Diplomat Luis Alfonso de Alba und Bundesrätin Calmy-Rey sind. De Alba sei mit seinen antiisraelischen Ansichten aufgefallen. Die Schweizer Außenministerin missfällt den Israeli wegen ihres offiziellen Besuchs in Iran vom vergangenen März, wegen ihrer offenen Unterstützung der Hamas und der Hizbullah und wegen ihrer antiisraelischen Positionen, die sie bei jeder Gelegenheit vertritt.
In Bern weiss man angeblich nichts von Micheline Calmy-Rey als Kandidatin für das Amt des UNO-Hochkommissars nichts wissen. EDA-Sprecher Georg Farago soll gegenüber dem „Sonntag“ erklärt haben: „Bundesrätin Calmy-Rey hat klar gesagt, dass sie nicht als Kandidatin zur Verfügung steht. Daran hat sich nichts geändert.“
Wer so oft lügt, wie Calmy-Rey, dem glaubt man nicht…

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El Baradeis späte Reaktion

Es ist mehr als seltsam, dass der Präsident der Internationalen AtomEnergieBehörde so tut, als habe er erst jetzt erfahren, dass Syrien an einem Atomkraftwerk gebastelt hat. Wer hin und wieder einen Blick in Haaretz wirft oder Yetnet weiß seit September 2007, dass Israel das AKW zerstört hat. Syrien hat den Angriff der Israelis nie bestätigt, aber auch kein Wehgeschrei erklingen lassen.

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