Jonathan Littell dachte nicht an die Leichen

Littelll hat André Müller ein Interview gegeben. Littell, der mit seinem Roman „Die Wohlgesinnten“ berühmt geworden ist, sagt, er würde den Nobelpreis ablehnen (als ob er dafür in Frage käme) und er hasse Peter Handke leidenschaftlich.
Leider ist nur ein Teil des Interviews online geschaltet. Man könnte auch sagen, was freigeschaltet ist, genügt…

„Die Grammatik der Toten“

Er scheint unberührt, fast kalt zu sein, Jonathan Littell, der Autor des Romans „Die Wohlgesinnten“ bei seinem ersten Auftritt in Berlin. Interviewt wurde er von Daniel Cohn-Bendit.

„Während Daniel Cohn-Bendit die erste Frage formuliert, greift Jonathan Littell auf der Bühne des Berliner Ensembles zum Feuerzeug, entzündet ein Zigarillo und hüllt sich in eine Rauchwolke. Aber den größten Teil des Abends wird er mit verschränkten Armen und übereinandergeschlagenen Beinen dasitzen. Wacher, ironischer Blick aus hellen Vogelaugen, markante Nase, schwarzer Anzug, offener weißer Hemdkragen, später kommen noch ein braunes Hütchen und ein schwarzer Ledermantel hinzu: ein bisschen der junge Beckett, ein bisschen der junge Belmondo. Das Feuerzeug wird er nachts in einem Club plötzlich vermissen. Er durchwühlt seine Taschen, will im Restaurant anrufen, in dem er vorher gegessen hatte, und muss feststellen, dass sein Handy keinen Empfang hat. In Jonathan Littells Gesicht zeichnet sich größte Besorgnis ab, Besorgnis an der Grenze zur Panik.“
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Günter Grass’ Interview zum 80.

Der Nobelpreisträger Günter Grass spricht in einem ungeheuer langen Interview mit Martin Scholz über seinen anstehenden achtzigsten Geburtstag, die SPD, ‘68, sein SS-Geständnis und die Aufnahme seiner Autobiografie „Beim Häuten der Zwiebel“ durch das Publikum. Selbstverständlich steht Grass dem Feuilleton nicht unkritisch gegenüber:

„In der amerikanischen und angelsächsischen Literaturkritik ist man sich nie zu schade, dem Leser zunächst einmal mitzuteilen, worum es im Buch geht. Beim deutschen Feuilleton habe ich oft den Eindruck, dass es für sich selbst schreibt. Man will die Kollegen beeindrucken, oder es steht im Vordergrund, was sich der Rezensent vom Autor erwartet. Erfüllt er die Erwartungen, ist es in Ordnung. Erfüllt er sie nicht, ist die Reaktion entsprechend. Das ist in der angelsächsischen Literaturkritik anders: Da geht man von dem aus, was der Autor erreichen wollte, und überprüft dann, ob er das erreicht hat – danach richtet sich dann die Kritik.“ Und was er selbst falsch gemacht hat? „Ich würde mich nicht mehr mit der FAZ einlassen. Das ist sicher.“

Und zieht Lehren aus dem Deutschen Herbst

Wir haben heute wieder mit Terrorismus zu tun, und die Politik reagiert wie damals: Sie ist dabei, die Bürgerrechte, für die wir mühsam gekämpft haben, Stück für Stück zu verkleinern. Im Grunde hat die Politik nichts gelernt. In der Weltpolitik sieht es nicht anders aus: Die Amerikaner sind dabei, die Fehler von Vietnam im Irak zu wiederholen. Es ist erschreckend.

Ob der grass’sche Schluss sich bewahrheitet, wird sich weisen. Er ist und bleibt einer jener Intellektuellen, welche den Amerikanern in Hassliebe begegnen.

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