Der Nobelpreisträger Günter Grass spricht in einem ungeheuer langen Interview mit Martin Scholz über seinen anstehenden achtzigsten Geburtstag, die SPD, ‘68, sein SS-Geständnis und die Aufnahme seiner Autobiografie „Beim Häuten der Zwiebel“ durch das Publikum. Selbstverständlich steht Grass dem Feuilleton nicht unkritisch gegenüber:
„In der amerikanischen und angelsächsischen Literaturkritik ist man sich nie zu schade, dem Leser zunächst einmal mitzuteilen, worum es im Buch geht. Beim deutschen Feuilleton habe ich oft den Eindruck, dass es für sich selbst schreibt. Man will die Kollegen beeindrucken, oder es steht im Vordergrund, was sich der Rezensent vom Autor erwartet. Erfüllt er die Erwartungen, ist es in Ordnung. Erfüllt er sie nicht, ist die Reaktion entsprechend. Das ist in der angelsächsischen Literaturkritik anders: Da geht man von dem aus, was der Autor erreichen wollte, und überprüft dann, ob er das erreicht hat – danach richtet sich dann die Kritik.“ Und was er selbst falsch gemacht hat? „Ich würde mich nicht mehr mit der FAZ einlassen. Das ist sicher.“
Und zieht Lehren aus dem Deutschen Herbst
Wir haben heute wieder mit Terrorismus zu tun, und die Politik reagiert wie damals: Sie ist dabei, die Bürgerrechte, für die wir mühsam gekämpft haben, Stück für Stück zu verkleinern. Im Grunde hat die Politik nichts gelernt. In der Weltpolitik sieht es nicht anders aus: Die Amerikaner sind dabei, die Fehler von Vietnam im Irak zu wiederholen. Es ist erschreckend.
Ob der grass’sche Schluss sich bewahrheitet, wird sich weisen. Er ist und bleibt einer jener Intellektuellen, welche den Amerikanern in Hassliebe begegnen.