Die linke FAZ

Jakob Augstein, Herausgeber von „Freitag“, erklärt im Interview mit Christine Zeiner unter der Überschrift „Wir müssten die linke FAZ werden“, warum er ein linkes Blatt machen will: „Mainstream wäre für uns tödlich. Das ganze Projekt lebt davon, dass wir uns gegen diese Tendenz zur Mitte wenden, die es in der Gesellschaft gibt. Die politischen Parteien fischen in der Mitte, die Zeitungen fischen in der Mitte. Die Tendenz zur Mitte macht die Ränder frei. Diese publizistische Nische, die die anderen Zeitungen aufgelassen haben, wollen wir füllen. Die Zeit war mal linksliberal, der Spiegel war es und die Süddeutsche – sie sind es alle nicht mehr.“

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Schweigepflicht für Journalisten gefordert

Markus Becker und Jens Lubbadeh berichten von einer wissenschaftlichen Tagung, bei der es um die Gewinnung von wandlungsfähiger Stammzellen ohne die Zerstörung menschlicher Embryonen ging.

Als Schöler an den Punkt kommt, wie dies ohne gentechnische Eingriffe und den Einsatz von Viren gelingen kann, hält er inne. Statt der heiß erwarteten Antwort zeigt er eine Folie mit einem Bericht aus der „Frankfurter Allgemeinen“. Er müsse an dieser Stelle abbrechen, sagt Schöler. Seine Begründung: Auf der Konferenz seien Journalisten anwesend. Ende des Vortrags. Kurze Verwunderung im Saal. Dann wird das Programm fortgesetzt.
Was war geschehen? Vor einer Woche hatte die „FAZ“ berichtet, dass Schöler bei einem Kongress in Dresden wichtige neue Erkenntnisse vorgestellt hat (mehr…). Dabei ging es um Keimbahn-Stammzellen, die aus Mäusehoden gewonnen werden und ähnlich wandlungsfähig sind wie die begehrten embryonalen Stammzellen. Schöler wurde in dem Artikel mit der Aussage zitiert, dass es seinem Team damit erstmals gelungen sei, adulte Körperzellen zu pluripotenten Stammzellen umzuprogrammieren, und zwar ohne genetische Eingriffe mit Hilfe von Viren.

Schöler behauptet, ein Redakteur der FAZ habe sich während eines informellen Gespräches unter Wissenschaftlern an den Tisch gesetzt und ihn, Schöler, falsch zitiert.

Seine Aussagen in Dresden seien verzerrt dargestellt worden. Dabei sei der Kongress eigentlich gar nicht für Journalisten gedacht gewesen, sondern nur für Wissenschaftler. Deswegen, so Schöler, wolle er künftig auf Kongressen nur noch dann über nicht publizierte Ergebnisse berichten, wenn die dort anwesenden Journalisten vorab eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichneten.

Das ist eine unverschämte Forderung und steht für ein Verbot der unabhängigen Berichterstattung, denn Journalisten, die ihre Unterschrift verweigern, dürften dann weder an Tagungen noch an Kongressen eingelassen werden.
Die Forderung Schölers aber hat anscheinend einen Hintergrund, mit dem es ebenfalls zu befassen gilt.

Hintergrund ist die Angst der Forscher, ihre Ergebnisse nicht mehr in renommierten Fachmagazinen unterbringen zu können, wenn sie zuvor in Massenmedien thematisiert wurden. Denn Fachblätter wie „Nature“ und „Science“ haben nicht nur hohe Ansprüche an den Stellenwert der Entdeckungen, sondern sie wollen sie auch exklusiv und als Erste veröffentlichen

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Der Perlentaucher Prozess

Die FAZ und die mit in dieser Sache scheinbar verbündete Sueddeutsche führen einen Prozess gegen das Kleinunternehmen Perlentaucher, weil dieser Rezensionen sammelt. Für die Leser ist der Perlentaucher von schier unschätzbarem Wert, weil Vergleiche möglich sind zwischen den Rezensionen der einen mit jener der anderen Zeitungen und weil alles so übersichtlich gegliedert ist, dass ein jeder auf den ersten Blick erkennen kann, was für ihn von Interesse ist.

Es gab eine Zeit, da liebte der FAZ-Kulturchef Frank Schirrmacher den Perlentaucher über alles und bekannte auf öffentlichen Veranstaltungen, daß er jeden Morgen nach dem Einschalten des Computers als erstes die Seite „perlentaucher.de“ anklicke. Diese Zeit ist lange vorbei. Vielleicht muß man inzwischen tatsächlich von Haß sprechen. Die Art und Weise, wie Schirrmacher in seiner Zeitung über den Perlentaucher schreiben läßt, legt zumindest die Vermutung nahe. Doch schreiben ist das eine; prozessieren ist noch etwas anderes. Bei dem jetzt laufenden Prozeß geht es sehr wohl um die Existenz der kleinen Firma Perlentaucher, selbst wenn das nicht offen gesagt wird und der Angriff auf einem Nebenschauplatz erfolgt.

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