Biokraftstoffe – Verbrechen gegen die Menschlichkeit?

 (AP) Jean Ziegler, UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, hat ein fünfjähriges Moratorium für die Produktion von Biokraftstoffen gefordert. Durch die Verwendung von Pflanzen wie Getreide und Zucker für die Herstellung von Biodiesel würden Grundnahrungsmittel teurer und mehr Menschen müssten hungern, erklärte Jean Ziegler am Freitag (Ortszeit) am Sitz der Vereinten Nationen in New York. «Die Umwandlung von fruchtbarem Ackerland zur Herstellung von Biokraftstoffen ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit». Die Agrarproduktion müsse dafür eingesetzt werden, den Hunger einzudämmen, forderte Ziegler. Damit stellt er sich unter anderem gegen US-Präsident George W. Bush, der sich für eine verstärkte Nutzung von Biotreibstoffen einsetzt.

«Sie haben nicht das Recht, selbst wenn sie den Klimawandel bekämpfen, dieses (vom Hunger ausgelöste) völlige Massaker fortzusetzen», sagte Ziegler zu solchen Plänen. Als Beispiel schilderte Ziegler, dass es 232 Kilogramm Mais bräuchte, um 50 Liter Ethanol zu produzieren. Damit könne ein Kind in Mexiko oder Sambia ein ganzes Jahr ernährt werden.

Biokraftstoffe für Verbrennungsmotoren werden aus Biomasse hergestellt. Dazu gehören zum Beispiel Mais, Getreide, Zuckerrüben, Raps oder Pflanzenöle. Endprodukte sind meistens die Treibstoffe Biomethanol oder Biodiesel. Vorteile dieser Energiegewinnung: Sie ist nachhaltig (d.h. besteht aus nachwachsenden Rohstoffen), relativ CO2-neutral und wenig umweltbelastend. Nachteile: Die Produktion nachwachsender Rohstoffe verringert die Anbaufläche für Nahrungsmittel. Monokulturen sind schädlich für die Artenvielfalt und führen zu Abholzung und Vertreibung von Kleinbauern. In Entwicklungsländer werden Grundnahrungsmittel dadurch immer teurer.

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