Ahmed Rashid ist nicht einfach ein Journalist; er ist Pakistans führender Journalist. Er hat das Buch „Descent into Chaos“ geschrieben, es handelt von der Lage Afghanistans seit dem Sturz der Taliban. In einem Interview mit Henning Hoff schildert er, was Sache ist – und gibt dem früheren deutschen Verteidiungsminister Struck recht, der gesagt hat, Deutschland verteidige seine Freiheit am Hindukusch.
Ich bin sehr kritisch, was die Weigerung der Deutschen angeht, zu kämpfen oder in den Süden zu gehen. Sie haben eine der besten Armeen in Europa. Im Norden machen sie ihre Sache gut, aber die Soldaten unterliegen so vielen Beschränkungen, dass das deutsche Prestige gelitten hat.
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Es geht nicht länger nur um den Krieg in Afghanistan. Das Ganze hat sich zu einem vielschichtigen, regionalen Konflikt ausgeweitet. Wir haben es mit dem Ausgreifen der Extremisten über die ganze Region zu tun. Der Westen muss sich anpassen. Er kann sich nicht länger nur auf Afghanistan konzentrieren, wie es die Deutschen tun, die in Mazar-i-Sharif sitzen und nicht nach rechts oder links über die Grenzen schauen, was in Iran und Pakistan passiert. (…)
In Deutschland hat die Regierung versäumt, Öffentlichkeit und Parlament über den wahren Charakter der Bedrohung aufzuklären. Viele denken wohl, dass die Deutschen auf Geheiß der Amerikaner in Afghanistan sind, dass dies Amerikas Krieg ist. Aber das stimmt nicht – im Gegensatz zum Irak. Der Irak ist gewissermaßen ein Nebenschauplatz, der Konflikt wird über kurz oder lang regional von den Arabern mit den Amerikanern gelöst. Aber der Krieg in Zentralasien ist global in seinen Dimensionen, und er geht die Deutschen direkt an.
Rashid hat natürlich recht. Die europäischen Regierungschefs neigen zur Verniedlichung des Konflikts in Zentralasien. Vor allem aber versuchen sie, die wirklichen Probleme, die mit dem Quasi-Import von Terroristen zu tun haben, vor ihren Wählern geheim zu halten. Letztere könnten ihren Regierungen Versagen auf der ganzen Linie vorwerfen…


