Der koschere Knigge

Der Umgang von Nicht-Juden mit Juden ist problematisch. Der von Juden mit Nicht-Juden auch. Darum sei es gut, findet Henryk M. Broder, dass Michael Wuliger den „Koscheren Knigge“ geschrieben habe: der perfekte Leitfaden für ein humorvolles Miteinander.

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Das ungebrochene Interesse am Buch

Die Leipziger Buchmesse stand bisher im Schatten ihrer grossen Schwester, der Frankfurter Buchmesse, doch jetzt ist sie dabei, aufzuholen – und wie.
Silke Bartlick berichtet aus Leipzig

„Weniger der Handel mit Lizenzen als vielmehr die Debatte über Inhalte dominiert diese Messe. Allein 370 Lesungen, Workshops und Aktionen richten sich direkt an ein junges Publikum. Man betreibe aktive Leseförderung, heißt es seitens der Messeleitung. Dass das Konzept aufgeht, beweisen alljährlich zahllose Besucher unter 18 Jahren, die in Begeisterungsstürme ausbrechen, wenn japanische Zeichner ihre Mangas signieren und die brav Prospekte einsammeln oder auf Hallenböden kauern – versunken in ein eben erworbenes Buch. Leser, die übers Jahr auch Geld an den Kassen deutscher Buchhandlungen lassen und damit zu einer bemerkenswerten Umsatzsteigerung beigetragen haben: „Im Jahre 2007 ist auf den Hauptvertriebswegen, also, das meint den Buchhandel, den Sortimentsbuchhandel, den stationären Buchhandel, Warenhäuserbereiche, E-Commerce, also auf den Hauptvertriebswegen ist der Umsatz des Buches um 3,9 Prozent gestiegen. Das ist eine unglaubliche Zahl für den Buchhandel“, sagt Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.“

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„Wo bitte geht’s zu Gott?…“

Das Ferkel muss nicht schweigen, es darf weiter fragen. Das sagt die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Antisemitisch ist sie nicht, die Antibibel verfasst von dem Philosophen Michael Schmidt-Salomon. Nachgerade aufklärerisch ist das Buch nicht. Von einem Beitrag zur Erziehung zur Toleranz kann keine Rede sein. Dazu ist es in seinem Urteil zu pauschal und tut jeden monotheistischen Glauben als „faulen Zauber und Hokuspokus“. Doch sei’s drum: auf den Index gehört es nun wahrhaftig nicht. Die Eltern müssen entscheiden, ob sie ihren Kindern das „Werk“ anbieten wollen oder nicht.

Der Fall Havemann

Havemann, ein Sohn, der seinem Vater nicht vergeben kann. Ein Buch, das eine Familie zerstört. Klagen, die geschwärzte Stellen bringen. Marcus Auer hat Florian Havemann in dessen Atelier besucht – und berichtet über 1100 Seiten Einsamkeit.

Florian Havemann ist der Sohn von Robert Havemann. Dem Robert Havemann, der im kommunistischen Widerstand war und vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt wurde. Dem Robert Havemann, der in der DDR zuerst ein Held war und dann der Staatsfeind, der überwacht wurde und unter Hausarrest stand, der Geist der Opposition in der DDR. Dessen Sohn, das ist Florian Havemann.

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Verbot für ein ‘Kinderbuch’

Ein atheistisches Kinderbuch erregt die Gemüter im Deutschen Bundesfamilienministerium. Es trägt den Titel „Wo bitte gehts zu Gott? fragte das kleine Ferkel“ und stammt von Helge Nyncke und Michael Schmidt-Salomon. Es soll auf den Index. Grund: Die Weltreligionen werden darin verunglimpft, besonders das Judentum.
Doch ist es wirklich ein Kinderbuch?, ist es nicht eher ein Buch für atheistische Eltern, die ihrem Kind mit diesem Buch ihren eigenen, mit Verlaub, Glauben einbläuen wollen?
“Wo bitte gehts zu Gott?”

Das Judentum, so das Ministerium, „werde als besonders Angst einflößend und grausam dargestellt“. Das stimmt, leider. Nicht nur werden bei der Darstellung des Judentums elementare Fehler gemacht, etwa indem die Synagoge vom Rabbi als „Tempel“ bezeichnet und behauptet wird, nur Juden dürften sie betreten. Einzig der Rabbi darf die schlichte Wahrheit aussprechen: „Gott, der Allmächtige, ist nicht nett!“ Eine Wahrheit, die er mit der Sintflut belegt.
Die Christen werden lächerlich gemacht, weil sie Plätzchen essen, die aus Menschenfleisch gemacht sind; die Muslime, weil sie sich so oft waschen; aber die Massenvernichtung der Ungläubigen ist in der Tat dem Juden vorbehalten. Hier wird wieder einmal deutlich: Wer sich von der Religion frei wähnt, ist oft Opfer ihrer dümmsten Vorurteile. Sicher hätten jüdische Atheisten die Sache ganz anders – weit weniger harmlos – dargestellt.

Das Buch, das ein Kinderbuch sein soll, ist derart grottenschlecht, dass es die Werbung, die ihm das Bundesministerium durch das Indexieren verschafft, nicht verdient. Schweigen wäre in diesem Fall weiser gewesen.
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