Im Berliner Pergamonmuseum findet die Ausstellung „Babylon – Mythos und Wahrheit“ statt. Catherine Framm und Brigitte Werneburg haben sie besucht, doch die ganze Wahrheit haben sie nicht gefunden, sie vermissen die Frauen, sogar die „Hure Babylon“. Kein Wort darüber haben die beiden gefunden, dazu, wie die Frauen von Babylon langsam von den Männern verdrängt worden sind.
„In der Zeit Hammurabis war Babylon zunächst die Stadt Marduks, bis er am Ende des 2. Jahrtausends vor Christus schließlich in sämtlichen Städten, die unter babylonische Herrschaft gerieten, göttliches Oberhaupt war. Leider wird an keiner Stelle erwähnt, welche Götter er verdrängte und ersetzte. Auch das Königreich Kisch bleibt außen vor, dessen Herrscher sich im 3. Jahrtausend noch immer als Gatten der Göttin Innana, also der späteren Ischtar bezeichneten, zu einer Zeit, als in Babylonien der männliche Götterhimmel fest installiert war.
Stark anzunehmen, dass sich der weibliche Ausschluss aus dem Götterhimmel, als die alten Göttinnen zwischen dem 2. und dem 3. Jahrtausend vornehmlich durch die Götter des Sturms, der Blitzes und des Donners verdrängt wurden, auch im Alltagsleben der Menschen auswirkte. Immerhin weiß man, dass der als Sozialreformer bekannte König Urukagina um 2350 mehrere Edikte zur Rolle der Frauen erließ, etwa wie sie mit Männern sprechen sollten oder zur Frage ihrer Wiederverheiratung. Obwohl die maßgebliche Rolle unbestritten ist, die die Ausgestaltung der Geschlechterordnung für die Form und die Entwicklung einer Gesellschaft spielt, widmet ihr der Ausstellungsraum zur Gesetzgebung in Babylon keinerlei Aufmerksamkeit.“


