Islamismus hat den Westen im Griff

Thierry Chervel hat zum Thema ein Essay unter dem Titel „Vorauseilende Unterwerfung“ geschrieben. Auslöser war die Fatwa gegen Salman Rushdie

Die Fälle vorauseilender Unterwerfung lassen sich seit der Fatwa kaum mehr zählen. Zwei Beispiele aus Berlin: Die Intendantin der Deutschen Oper Berlin, Kirsten Harms, sagte eine Aufführung des „Idomeneo“ ab, weil der Regisseur Hans Neuenfels ein bisschen provokativ mit Symbolen einiger Religionen – keineswegs nur des Islams! – spielte. Zwar hatte sich kein Fünkchen des Protests geregt, aber man hatte Harms dazu geraten. Peter Klaus Schuster, Generaldirektor der Staatlichen Museen und Direktor der Nationalgalerie, verhinderte ohne Angabe von Gründen die Aufstellung des schwarzen, an die Kaaba erinnernden Kubus von Gregor Schneider vor dem Hamburger Bahnhof, nachdem schon die Biennale von Venedig gekniffen hatte. Die Öffentlichkeit hielt weitgehend still. Schneider konnte seinen Kubus dann in Hamburg aufstellen – und der Himmel ist nicht eingestürzt.

Es kann auch anders kommen, und zwar gerade, weil man es fürchtet, wie der britisch-indische Autor Kenan Malik in einem Essay zur Fatwa am Fall des Romans „Das Juwel von Medina“ von Sherry Jones beschreibt. Der amerikanische Randomhouse-Verlag zog diesen Roman über Aischa, die jüngste Frau Mohammeds, nach einem Gutachten der Islamwissenschaftlerin Denise Spellberg zurück. Martin Rynja, Chef des kleinen britischen Hauses Gibson brachte den Roman doch – und musste zusehen, wie seine Büros in Brand gesteckt wurden. Vor dem Kniefall des Randomhouse-Verlags war der Roman kein Thema. Der „Respekt“, schreibt Malik, schafft sich die Ungeheuer, die er befrieden will.

Drastisch versagten die westlichen Medien im Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen. CNN und BBC präsentierten die Zeichnungen nur hinter Verfremdungsrastern, wie Kinderpornografie oder ein islamistisches Snuff Video. Mit Ausnahme der „Welt“ mieden auch die deutschen Zeitungen einen deutlichen Abdruck der Zeichnungen. Im „Spiegel“ war die Seite aus Jyllands-Posten zur Dokumentation in Passbildgröße abgedruckt. Wer die Karikaturen sehen wollte, musste sich im Internet auf die Suche machen. Und das obwohl sie nicht im mindesten den Islam beleidigen. Mit gespitzten Lippen verteidigten Chefredakteure und Verlagsleute das Recht der Zeichner auf ihre Meinung – und setzten gleich hinzu, dass es schlechte Zeichnungen seien, die den Aufruhr nicht lohnten.

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Antiken Sex-Fluch an Ausgrabungsstätte gefunden

Die antike Stadt Amanthus an der Südküste Zyperns wurde um 1500 von Phöniziern gegründet. Unter den Römern war sie eine Regionalhauptstadt, erst im zwölften Jahrhundert wurde sie aufgegeben. Derzeit finden in Amanthus Ausgrabungen statt. Zur Überraschung der Archäologen haben sie in einem Grab einen Sex-Fluch gefunden. Auf einer Platte sei auf Griechisch eine Verfluchung eingraviert, in der es unter anderem heiße: „Möge Dein Penis schmerzen, wenn Du Liebe machst“, berichtete Pierre Aubert vom Athener Archäologischen Institut der Zeitung „Cyprus Weekly“. Abgebildet sei daneben ein Mann mit einem Stundenglas in seiner rechten Hand. Die Inschrift stamme vermutlich aus dem siebten Jahrhundert nach Christus.

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Tom Segev „Die ersten Israelis“

Tom Segevs 1986 erschienenes Buch „Die ersten Israelis – Die Anfänge des jüdischen Staates“ ist erstmals in deutscher Sprache erschienen. Arno Widmann scheint sich speziell an einigen aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten zu erfreuen – und sieht sich endlich bestätigt.

„Und so rissen sich Zehntausende von Israelis – Soldaten wie Zivilisten – Kriegsbeute unter den Nagel. Der eine nahm sich einen Lehnstuhl, der andere einen Teppich, der dritte eine Nähmaschine und der vierte einen ganzen Konzern.
Einer nahm sich eine Wohnung und ein anderer einen Weinberg. Ganz schnell und leicht bildete sich eine ganze, wenn auch kleine Klasse von Neureichen: Kaufleute, Spekulanten, Lieferanten, Beauftragte aller Sorten, Industrielle und Bauern. Einige stahlen, was sie konnten, andere bekamen die Kriegsbeute legal zugeteilt. Ein Gutteil der Transaktionen fiel in den Graubereich zwischen legal und illegal, zwischen eindeutigem Raum und offizieller Enteignung.“

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Unberührtes Grab aus Moche-Kultur gefunden

In der peruanischen Provinz Lambayeque, ungefähr 770 Kilometer nördlich der Hauptstadt Lima, hat ein Archäologenteam ein mit 14 Kronen, Masken und Schmuck gefülltes Grab aus der Vor-Inka-Zeit entdeckt. Es gehört zur sogenannten Moche-Kultur. Bei dem Bestatteten dürfte es sich um einen Stammesführer gehandelt haben.
„Das ist ein erstklassiger Fund“, sagte Steve Bourget, ein 51-jähriger Archäologe aus Kanada. Es gebe Ähnlichkeiten zu den Ausgrabungen in Sipan, die bereits 20 Jahre zurückliegen und zu den bedeutendsten archäologischen Entdeckungen der vergangenen Jahrzehnte gehören. „Es wird sehr spannend, die jetzigen Daten mit denen aus Sipan zu vergleichen.“

Bourget arbeitet bereits seit 1986 in der Wüstenregion nahe der Küste. Das Grab sei unberührt gewesen, sagte er, ganz im Unterschied zu vielen anderen archäologischen Stätten Perus, in denen häufig Grabräuber den Forschern zuvorkommen.

Man habe einen beerdigten Mann gefunden, der vergoldete Totenmasken aus Kupfer getragen habe, erklärten die Forscher, der Körper sei in Schilf gewickelt. Zudem wurden nahe des Grabes noch Reste eines jungen Mannes und beerdigte Tiere entdeckt. Zu den ausgegrabenen Schmuckstücken gehören neben vergoldeten Kronen auch Ohrringe, Nasenringe und silberne Halsketten.
Die Grabbeigaben wie Zepter oder Goldkronen sprächen dafür, dass es sich um eine höhergestellte Person gehandelt haben muss, sagte der Archäologe Walter Alva. Die Artfakte zeugten von einer hoch entwickelten Handwerkskunst.

Die Hochkultur der Moche, benannt nach der unweit der heutigen Stadt Trujillo gelegenen Ortschaft, umfasst den Zeitraum von 100 bis etwa 800 nach Christus. Erhalten sind unter anderem gewaltige Stufenpyramiden – und das erst kürzlich freigelegte älteste Gebäude Südamerikas (mehr…). Bekannt ist die Kultur auch für ihre Keramik, die zu den hervorragendsten Leistungen der vorkolumbianischen Kunst gehört.

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Karl der Kühne

In einem Interview erläutert der Historiker André Holenstein, warum die Burgunderbeute und die Siege über Karl den Kühnen als Sündenfall in die kollektive Erinnerung eingegangen sind.
Die Berichte der Chronisten, die von „einfältigen Eidgenossen“, weil sie die köstlichsten Perlen und Edelsteine für ein Spottgeld verkauften, werden von Holenstein bestätigt.
So war es. Die Beute von Grandson war von einem Reichtum, wie ihn die Eidgenossen noch nie gesehen hatten: Kirchengeräte, Teppiche, Waffen, Edelsteine, Schmuck – was sollte man damit tun, wie sollte man diese Beute teilen? Auch deshalb wurde viel verkauft, weil sich Geld einfacher teilen liess. Schon von Anfang an wird die Burgunderbeute deshalb zu einem Symbol für die Gefahr der Verführung durch Luxus und Reichtum, für Sittenverderbnis und Korruption.
Thomas Widmer sieht in Karl dem Kühnen einen der edelsten Ritter Europas.

Herzog Karl der Kühne (1433—1477) wollte sein Burgund zur Grossmacht und sich selber zum König aufbauen. Die Feindschaft mit Frankreichs Herrscher bremste ihn. An den Hellebarden der Schweizer ging er zugrunde. Nun wird Karl in einer Ausstellung als EU-Pionier gefeiert.

„Die Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt“

Unter dem Titel „Protokoll eines langsamen Todes“ bespricht Hanno Loewy die erstmals auf Deutsch erschienene „Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt“. Eine Chronik, die zum Teil so trocken ist, dass es einem eiskalte Schauer über den Rücken jagt. Auch wenn einem das „Niemehr“ in den Ohr hallt; man vermag an letzteres heute kaum mehr zu glauben.

„Dreieinhalb Jahre verfassten sie täglich eine Chronik, die mit dem Wetterbericht begann. Es folgten Nachrichten aus dem Alltag der Stadt, vom Kulturleben bis zum Polizeibericht, von Meldungen über Streiks und Demonstrationen bis zur Gerichtsreportage, von Verlautbarungen der Behörden zu den Berichten aus der Wirtschaft und Produktion, Bevölkerungsdaten, Krankheiten, ja und im trockenen Ton der Statistik: die Sterbemeldungen. Darum ging es den wahren Herren dieser Stadt: ums Sterben. Möglichst geräuscharm, nichts sollte den Betrieb stören.“