Yale fürchtet Islamisten

Das ist aber interessant: Die Yale University Press verlegt ein Buch über den dänischen Karikaturenstreit – aber ohne die Karikaturen des Propheten, die im Zentrum des Streits standen. Der Verlag hört lieber auf Rat von Islamexperten und untergräbt damit sein eigenes Ansehen. Andreas Platthaus ist mehr oder weniger platt…

Aufhorchen lässt, dass der Verlag Jytte Klausen die schriftliche Zusammenfassung der Expertenmeinungen nur dann zugänglich machen wollte, wenn sie über Inhalte und Namen vollständiges Stillschweigen bewahrte. Offenbar fürchten die befragten Experten schon eine bloße Namensnennung in diesem Kontext. Wie man auf solcher Grundlage Wissenschaft betreiben will, ist unverständlich; Jytte Klausen lehnte denn auch die Einsicht dankend ab. So sind bislang nur einzelne Namen der befragten Fachleute bekanntgeworden, betreffs ihrer Kompetenz muss man Universität und Verlag vertrauen.

Kuschen scheint nicht nur eine Modewort, sondern Tatsache zu sein.

Der koschere Knigge

Der Umgang von Nicht-Juden mit Juden ist problematisch. Der von Juden mit Nicht-Juden auch. Darum sei es gut, findet Henryk M. Broder, dass Michael Wuliger den „Koscheren Knigge“ geschrieben habe: der perfekte Leitfaden für ein humorvolles Miteinander.

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Geschockte Feuilletonisten

Stephan Speicher reagiert trotzig-zornig auf das Ende des Ammann-Verlages; für ihn ist dieses Ende der literarischen Passion des Verlegers geschuldet, der auf kommerzielle Belange nicht immer Rücksicht nahm.
Roman Bucheli bedauert die Schließung des Verlages auf Mitte 2010 und findet die Begründung der Besitzer Egon Ammann und Marie-Luise Flammersfeld fadenscheinig.
Roswitha Haring bedauert, dass der Verlag, der für sie Heimat ist, schliessen wird.
Auf die diversen FAZ-Artikel haben wir bereits gestern verwiesen.

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Aus für den Ammann-Verlag

Jürg Altwegg berichtet, der Ammann-Verlag in Zürich stelle seine Tätigkeit Mitte des kommenden Jahres ein. Für die Buchbranche ist diese Nachricht ein Schock; die Verlagswelt verarmt.
Nachtrag: Egon Ammann im Interview

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In China boomen die E-Books

Alex Rühle hat sich mit dem chinesischen Buchmarkt auseinandergesetzt; dort boomen die E-Books. Die Site Shanda zum Beispiel verzeichnet pro Tag mehr als eine Million Besucher:

„Man darf als Leser die erste Hälfte, manchmal auch die ersten zwei Drittel eines E-Books umsonst lesen. Danach zahlt man pro tausend Schrift-Zeichen einen verschwindend geringen Betrag, am Ende hat man meist nur ein Zehntel dessen bezahlt, was man im Laden für ein gedrucktes Buch ausgeben würde.“

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Najem Wali fasziniert von Israel

Najem Walis spricht über sein Buch „Reise in das Herz des Feindes“ und über seine Begegnungen und Beobachtungen in Israel. Der irakische Schriftsteller erklärt, es sei vor allem der Multikulturalismus, der ihn an Israel fasziniert:

„Haifa ist es gelungen, im alltäglichen Leben eine gewisse Balance zwischen Juden, Arabern, Templern und Drusen hinzubekommen. Später kamen noch viele russische Juden hinzu. Diese Art Schmelztiegel hat mich immer fasziniert. Es gibt so etwas wie eine gelebte Zweisprachigkeit. Die Jugend spricht Arabisch und Hebräisch. Haifa war die einzige israelische Stadt, die in ihrer Geschichte einen Bürgermeister arabischer Herkunft hatte, der von Juden und Arabern gleichermaßen gewählt wurde. Heute hat die multikulturelle Stadt einen Bürgermeister jüdischer Herkunft, der von allen religiösen Gemeinden respektiert wird. Es wäre naiv, jegliche Konflikte zu leugnen. Die Gefahr, dass diese geschürt werden, besteht immer. In Haifa gelingt es jedoch, auf ganz pragmatische Weise an die Konflikte heranzugehen.“

Harry Houdini, Pop-Star unter den Magiern

Der Comic von Jason Lutes und Nick Bertozzi „Houdini: König der Handschellen“ feiert Houdini, als einen der grössten Entfesselungskünstler und Illusionisten aller Zeiten.

„Nur ein einziger Tag im Leben des Harry Houdini wird dabei von Jason Lutes, Autor des hochgelobten Comics „Berlin“, und Zeichner Nick Bertozzi auf schmalen 95 Seiten nachempfunden. Ein geradezu minimalistisches Experiment, das gelingt. Gezeigt wird ein Houdini, der sich akribisch auf seine lebensgefährlichen Auftritte vorbereitet, der ein Kontrollfreak ist und seiner Frau in liebevoller Hingabe ergeben ist. Entscheidend war für Lutes, die Atmosphäre einzufangen, die prickelnde Spannung bei den Grissevents einzufangen, den magischen Moment, wenn das scheinbar Unmögliche von diesem kleinen Mann bewältigt wird.“

Als Gottes Botschafter zum Star

Matthias Heine fragt nach den Gründen für den Erfolg von Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“, das seit zwei Jahren an der Spitze der Bestsellerliste steht.
Kerkeling, meint, Heine, knüpfe an der Jakobsweg-Methode, die die wiedergeburtsgläubige Esoterikerin Shirley McLaine mit ihrem im Jahr 2000 veröffentlichten Buch „The Camino“ angefangen habe.

„Inwieweit sich hinter Kerkelings Erfolg tatsächlich eine neu erwachte Sehnsucht nach alteuropäischer Spiritualität verbirgt, ist viel diskutiert worden. Beim Autor selbst ist sie durchaus vorhanden. Kerkeling und seine Wandergefährtinnen fragen sich bei einer weinseligen Pilgerrunde: „Hat Gott eigentlich auf dem Weg mit euch gesprochen?“ Es dauert, bis jemand antwortet: „Sure he did!“, sagt Sheelagh. Klar, hat er. Dann gestehen es alle. Und die Fragestellerin, Evi aus Schweden, strahlt: „Ja, wenn er zu einem spricht, dann ist man zunächst so voller Freude … aber dann kommen einem die Zweifel. Bin ich verrückt, bilde ich mir das ein, halte ich mich für was Besonderes? Aber dann, wenn man es weiter zulässt, geschehen unglaublich Dinge! Wunder!“

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75. Jahrestag der Bücherverbrennung

Zum 75. Jahrestag der Bücherverbrennung am 10. Mai 2008 erscheinen im Olms Verlag die ersten zehn Titel aus der »Bibliothek Verbrannter Bücher« in einer Kassette. Die ersten zehn Bände und der Dokumentationsband sollen im Rahmen des Pressegesprächs vorgestellt und Schülern des Erich-Hoepner Gymnasiums Berlin und des Einstein Gymnasiums Potsdam überreicht werden. Über 4000 weitere Schulen in Deutschland erhalten im Mai 2008 die „Verbrannten Bücher“ als Geschenk. Folgende Titel wurden für die ersten zehn Bände ausgewählt:

Salomo Friedlaender, Kant für Kinder
André Gide, Kongo und Tschad
Theodor Heuss, Hitlers Weg
Franz Kafka, Beim Bau der Chinesischen Mauer
Gina Kaus, Morgen um Neun
Erich Kästner, Herz auf Taille / Lärm im Spiegel
Jack London, Martin Eden
Anna Seghers, Auf dem Wege zur Amerikanischen Botschaft
Walther Rathenau, Zur Kritik der Zeit
Kurt Tucholsky, Lerne lachen ohne zu weinen

Es ist schon ein seltsamer Zufall, dass nur zwei Tage vor der Präsentation der „verbrannten Bücher“ von linker Seite Zeichen auftauchen, die stark an die Bücherverbrennungen unter der Nationalsozialisten erinnern…

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Minette Walters: Der Schatten des Chamäleons

Schon im Roman «Des Teufels Werk» spielte der Krieg eine Rolle. Im neuen Roman „Der Schatten des Chamäleons“ von Minette Walter stehen die verheerenden Kriegsfolgen für den jungen Leutnant Charles Acland im Mittelpunkt. Einfühlsam beschreibt sie die Schmerzen und Seelenqualen des bei einem Bombenanschlag im Irak verwundeten und grausam entstellten Soldaten, schildert den Wandel eines freundlichen Menschen zum aggressiven Finsterling. Acland, schwer verletzt und gezeichnet, gerät in London nach einer Reihe von Morden unter Verdacht. Er wird verhaftet, nachdem er einen Pakistani verprügelt hat und seine Ex-Verlobte Jen behauptet hat, er habe sie vor seiner Abreise in den Irak vergewaltigt. Der abweisende Acland findet einen Fürsprecher in der resolute Ärztin Jackson, die ihm klarmacht, dass er sich seiner Vergangenheit stellen muss. Sein Psychologe ist verunsichert; ist Acland ein Psychopath?
Walters ist mit «Der Schatten des Chamäleons» ein spannender Thriller mit überraschenden Wendungen und faszinierenden Einblicken in die Psyche der Soldaten des Irak-Kriegs gelungen. Ein Krimi mit einer überraschenden Lösung, ein Krimi aber auch, der der Lebensgeschichte des vom Krieg Gezeichneten nicht gewachsen ist.