Schreiben war und ist sein Leben. In seinem Spätwerk beschäftigen ihn Alter und Sterben. Mit «Empörung» kehrt er zur Jugend zurück. Das Thema “Tod” aber bleibt. Marco Guetg hat sich mit Philip Roth und dessen Werk beschäftigt und rezensiert “Empörung”.
30 Bücher in 50 Jahren. Wer das geschafft hat, dürfte sich durchaus etwas zurücklehnen. Doch das kann Philip Roth (75) nicht. «Ich arbeite die ganze Zeit», sagte der Amerikaner diese Woche in einem Interview in der «Zeit». Ob er dabei glücklich ist, fragt er sich gar nicht. «Ich frage mich nur: Geht es voran mit der Arbeit?» Denn etwas ist ihm nicht geheuer, «die Zeit zwischen zwei Büchern. Dann weiss ich nicht, was ich mit mir anfangen soll».
Nun wissen wir nicht, in welcher Schaffensphase Roth gerade steckt. Nur so viel: Eben erscheint sein Roman «Empörung» auf Deutsch, und auf September ist in den USA «The Humbling» angekündigt. Unsere Vermutung: Roth befindet sich in der nicht so geschätzten Zwischenschreibphase, in der er nicht weiss, «was ich mit meiner Zeit anfangen soll. Ich bin einfach zum Schreiben da.»
DAMIT ALLERDINGS hat Roth schon früh begonnen. 1959 erschienen die Erzählungen «Goodbye Columbus» – und der 25-Jährige erhielt dafür gleich den National Book Award! Seither publiziert der medienscheue Nobelpreis-Dauerkandidat alle zwei Jahre ein Buch; er hat inzwischen alle grossen amerikanischen Preise erhalten, Bill Clinton hat ihm die National Medal of Arts an die Brust geheftet, und sein Werk wurde vor drei Jahren gar in die Library of America aufgenommen, was einem Unsterblichkeitssiegel zu Lebzeiten gleichkommt.
Philip Roth setzt sein Erzählpersonal seit je den Extremen aus und rückt seinen Antihelden mit dem Seziermesser zu Leibe. Seine Themen sind Liebes- und Sexualnöte («Portnoys Beschwerden», 1969), die USA, seine jüdische Identität, in den letzten Jahren vermehrt das Alter und der Tod («Exit. Ghost», 2007). Mit «Empörung» ist Roth zur Jugend zurückgekehrt. Den Tod aber hat er nicht ausgeblendet.
Es ist 1951 und die USA stecken im Koreakrieg. Marcus Messner, 18-jährig, ein aufgeweckter Junge mit Karriereaussicht, wird von seinem überängstlichen Vater unerträglich bemuttert; der Junge flüchtet aus der bedrückenden Nähe und schreibt sich in Ohio in einem College ein. Doch kaum angelangt, kommt es zu einem verstörenden sexuellen Erlebnis mit einer Kommilitonin; plötzlich wird der Jude Messmer diskriminiert. Wider Willen wird er zum Rebellen, fälschlicherweise zum Rebellenführer gestempelt und vom College gewiesen. Marcus’ verhängnisvoller Fehler ist seine Neigung zur Empörung.
Das alles erfahren wir aus der Perspektive eines aufbegehrenden Ich-Erzählers. Dann bricht die Erzählung ab. Es folgt ein kurzes Nachwort und wir erfahren, was später geschah: Nach seinem Rausschmiss wird er in die Armee eingezogen und nach Korea geschickt, wo er bei einem Angriff richtiggehend abgeschlachtet wird und stirbt.
und Elmar Krekelehier unter dem Titel
«Empörung», diese Klage aus dem Jenseits über ein verpfuschtes Leben und Anklage gegen die Sinnlosigkeit des Todes, ist von beeindruckender Geschlossenheit und frei von jeglichem ornamentierendem Blendwerk. Philip Roth ist es in diesem Roman auf bewundernswerte Art gelungen, was er anderswo zu seinem narrativen Prinzip erhoben hat: «Ich habe versucht, die Prosa und das Erzählen so schmucklos und einfach zu halten, wie ich konnte.»
Wolfgang Popp bespricht “Empörung” hier.
und Wolfgang Kerkeler hier unter dem Titel “See aus Sperma
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