Manuel Brug war in Lugano und hat die Hommage, die Martha Argerich ihrem fast vergessenen, an Parkinson erkrankten Kollegen Alexis Weissenberg darbrachte, gehört.
Um Weissenberg wurde es spätestens ab Mitte der Achtzigerjahre stiller, man sah seinen markanten Cäsarenschädel mit den durchdringend blauen Augen kaum noch. Er gab höchstens noch Meisterkurse in Kloster Engelberg bei Luzern. In Lugano, beim siebten Progetto Martha Argerich, wurde erschreckend deutlich, warum.
Das argentinische Tastentemperamentbündel besucht nämlich den im Tessin lebenden Weissenberg jeden Juni, wenn sie für drei Wochen mit ihrer immer ausgedehnteren Klavier- und Kammermusikfamilie aus Freunden und Verflossenen, Schülern und Sympathisanten den intim holzgetäfelten Konzertsendesaal des Radios besetzt. Dieses Mal aber hatte sie sich – gemeinsam mit ihrem musikalischen Co-Direktor Carlo Piccardi – eine besondere Hommage für den schwer an Parkinson erkrankten, zum kleinen, aber geistig ungebeugten Männchen zusammengeschrumpften Weissenberg ausgedacht: eine konzertante Aufführung seines spät-surrealistischen Jazz-Musicals “La Fuge” aus dem Jahr 1979 für einen Erzähler, fünf Sänger und 14 Pianisten.


