Roland Nefs Freundin ist an Schmid-Debakel schuld

Nachdem ich mir den Kommentar in der NZZ zu Gemüte geführt habe, einen Artikel im „Tages-Anzeiger“ und schließlich noch die „Experten“, die von 10vor10 auf den Plan gerufen worden sind, ihre Meinung zu Nötigung und Häuslicher Gewalt kund zu tun, gehört habe, weiß ich eines mit Gewissheit: Roland Nef hat nie nichts Unrechtes getan, Bundesrat Samuel Schmid war dabei, hat alles gesehen und von Anfang an gewusst, dass sein Armeechef Nef unschuldig ist. Ein Mann wie Roland Nef gibt doch nicht den Rambo; er nötigt keine Frau, übt sich nicht in häuslicher Gewalt und versetzt sie nicht Angst und Schrecken. Sie wissen doch eh, wie Frauen sind. Sie hat sich das nur eingebildet und aus Versehen Anzeige erstattet. Etwas zartbesaitet, das Ding, ist ja auch Musikerin, da kann man nichts anderes erwarten. Es ist schon so, wie Daniel Foppa vom Tagi den Fall beschreibt

Er – [damit meint er den Fall] – betrifft ausgerechnet jenen Mann, der entscheidend zur Bewältigung des Kander-Dramas beigetragen hat.

Bis jetzt war mir gar nicht bewusst, dass das Kander-Drama bewältigt ist. Ich finde es aber schön, dass etwas bewältigt ist, ehe es geklärt ist. Das ist ebenso einmalig, wie ein Brigadier zum Armeechef ernannt wird, gegen den eine Strafuntersuchung im Gange ist.
Der Gesamtbundesrat ist mit Schmids Vorgehen im Fall Nef einverstanden; die sieben Kleinen arbeiten so hervorragend zusammen, dass keiner davon einen tadeln mag. Ausserdem hat jeder der sieben irgendwo Dreck am Stecken und wenn einer damit anfangen würde, den Dreck aufzuwühlen, käme man an kein Ende mehr. Samuel Schmid wird sich auch weiterhin so verhalten, wie die anderen sechs es erwarten. Man stelle sich einen Kaugummi vor, der weicht jedem Druck aus und findet immer einen Weg…

Wissenschaften ersetzen Aberglaube

Das Dresdner Hygiene-Museum widmet dem brisanten Thema „Klimawandel“ eine Ausstellung. Noch vor etwas mehr als dreihundert Jahren, machte man Zauberer und Hexen, die mit dem Teufel im Bunde standen, für extreme Dürren, Kälte, Hitze, Schlammlawinen und Hochwasser verantwortlich. – Uns läuft ein Schauer über den Rücken, wenn wir die makabren Statistiken betrachten, die nachweisen, dass pro Jahr hundert bis fünfhundertfünfzig Frauen auf dem Scheiterhaufen landeten, weil sie Unwetter heraufbeschworen haben sollten, schreibt Ulli Kulke.

Das war stets in den Jahren der Fall, in denen der damalige Klimawandel den Menschen besonders hart zusetzte, Hungersnöte übers Land brachte. Es war die Ära der „Kleinen Eiszeit“, als die Sonne etwas weniger strahlte und dieses Wenige auch noch durch Staubwolken nach ungewöhnlich häufigen Vulkan-Explosionen weltweit gebremst wurde. Doch die Zusammenhänge waren damals unbekannt.

Tja, damals waren die Zauber und Hexen schuld – und heute ist es das CO2.

Zum ersten Mal in der Weltgeschichte wird der gesamten Menschheit durch Setzung von Wissenschaftlern und nicht durch gesellschaftliche Entwicklungen ein neues Maß aller Dinge vorgegeben: Kohlendioxid – die Hinterlassenschaft aller industriellen Prozesse. Es soll nach und nach verschwinden, es steht nun für die Erbsünde des technischen Fortschritts.

Damals wurde geglaubt – und heute glauben wir wieder. Sind wir heute besser dran als uns Vorfahren damals?

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Samuel Schmid will sein Schweigen brechen

Bundesrat Schmid hat den Gesamtbundesrat schonen wollen und darum nichts gesagt von der Strafuntersuchung gegen den braven Soldaten Roland Nef. Der Sprecher des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Sport hat den Medien verraten, dass Bundesrat Schmid und Nef übereingekommen seien, „dass das Verfahren bis zum Amtsantritt Anfang 2008 eingestellt sein müsse“. Auf welche Art und Weise das geschehen sollte, hat Schmid dem Nef überlassen. Wäre das Verfahren noch hängig gewesen, wäre weder die Beförderung noch der Amtsantritt als Armeechef nicht möglich gewesen, erklärte Hueber, der Sprecher des VBS.
Jetzt, wo die Presse das Strafverfahren aufgespürt und Schmids Verschweigen angeprangert hat, will Samuel Schmid den Mund aufmachen – und informieren.

Israel in iranischer Geiselhaft

Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy ist scheinbar Pfadfinder und vollbringt jeden Tag eine gute Tat. So auch gestern, als er seinen Mittelmeer-Gipfel inszeniert hat. Er hat dafür viel Lob eingeheimst und scheinbar den syrischen Präsidenten Assad als neuen Freund gewonnen. Dieser neue Sarkozy-Freund hat Radio France ein Interview gewährt und gesagt, für einen Angriff, egal von welcher Seite, werde Israel bezahlen und, weil er scheinbar Angst vor den USA hat, („It will cost the United States and the planet dear,“) „Das wird die Vereinigten Staaten und den Planeten teuer zu stehen kommen.“ Der wahrlich reizende Freund Sarkozys nimmt Israel in Geiselhaft, droht den USA und weil das nicht genug ist, dem Planeten Erde.
Mit Israel in Geiselhaft, erwartet Sarkozys neuer Freund, dass die Welt dem Iran beim Urananreichern und Kernwaffenentwickeln wohlwollend zuschaut – und Applaus spendet.

Die Werbe-Blase wird zum Platzen gebracht

Wie der heute veröffentlichte Bellwether Report , ein vierteljährlicher Bericht über die Entwicklung am Marketingsektor in Großbritannien, zeigt, kämpft die britische Marketingbranche derzeit mit dem stärksten Rückgang seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Verantwortlich hierfür ist laut dem Bericht in erster Linie die derzeit vorherrschende schwierige Wirtschaftslage. Diese sorge in Verbindung mit steigenden Kosten und hinter den Erwartungen bleibenden Umsatzzahlen für zunehmend vorsichtiger werdende Budgetkalkulationen in den Marketing- und Werbeabteilungen der Unternehmen. Einzige Ausnahme in dieser Hinsicht bildet das Internet. Rund 19 Prozent der analysierten Konzerne gaben an, ihr Online-Marketing-Budget seit Beginn des Jahres aufgestockt zu haben.
„Die Unternehmen geraten zunehmend unter finanziellen Druck. Um ihre Gewinnmarge weiterhin gewährleisten zu können, wurden im zweiten Quartal 2008 die Marketingbudgets deutlich gekürzt“, stellt Chris Williamson, Autor des Bellwether Reports und Wirtschaftsexperte des britischen Finanzberatungsunternehmens Markit, gegenüber dem Guardian fest. Wenn sich dieser zu beobachtende Trend auch im restlichen Jahr weiter fortsetzen würde, sei ein Rückgang in punkto Marketingausgaben im Gesamtjahr 2008 zu befürchten. „Dies wäre der erste Rückgang seit dem Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2000″, betont Williamson. Besonders betroffen sei der Bereich des Direct Marketing. Laut dem Bericht ist die Zahl derjenigen Unternehmen, die ihre Ausgaben in diesem Sektor in diesem Jahr reduziert haben, mittlerweile doppelt so hoch wie die, die eine Budgetaufstockung durchgeführt haben.
„Auch in Deutschland wirkt sich die negative Stimmung durch Inflationsängste in Form von Budgetkürzungen auf den Werbemarkt aus“, erklärt Volker Nickel, Sprecher des Zentralverbandes der Deutschen Werbewirtschaft.

Offizial-Delikt als private Angelegenheit?

Armee und Politik verfügen scheinbar über eigens für sie geschaffene Gesetze. Während häusliche Gewalt – und Nötigung ist Gewalt – , angezeigt von Normalbürgern, nach Strafgesetzbuch zu Offizial-Delikten werden, was nichts anderes heißt, als dass der Täter/die Täterin von Staates wegen strafverfolgt wird, wird das Offiziel-Delikt zur „privaten Angelegenheit, wenn es sich um den Armeechef Roland Nef handelt.

Wie SOG-Präsident Hans Schatzmann am Montag auf Anfrage der AP sagte, ist man mit der Leistung von Nef als Armeechef durchaus zufrieden. Der Nachfolger von Christophe Keckeis gelte als «führungsstark und entschlusskräftig». Die am Sonntag publik gemachte Geschichte über ein während dessen Ernennungsverfahren noch laufendes, später aber eingestelltes Justizverfahren wegen Nötigung im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt betreffe Nef nur als Privatperson; mit seiner Arbeit an der Spitze der Armee habe dies direkt nichts zu tun.

Ein Rambo zu Hause und in der Armee ein braver Soldat. Aha, Murphys Gesetz macht beim Armeechef eine Ausnahme. Das muss man sich merken.

Martha Argerich mit Hommage für Alexis Weissenberg

Manuel Brug war in Lugano und hat die Hommage, die Martha Argerich ihrem fast vergessenen, an Parkinson erkrankten Kollegen Alexis Weissenberg darbrachte, gehört.

Um Weissenberg wurde es spätestens ab Mitte der Achtzigerjahre stiller, man sah seinen markanten Cäsarenschädel mit den durchdringend blauen Augen kaum noch. Er gab höchstens noch Meisterkurse in Kloster Engelberg bei Luzern. In Lugano, beim siebten Progetto Martha Argerich, wurde erschreckend deutlich, warum.

Das argentinische Tastentemperamentbündel besucht nämlich den im Tessin lebenden Weissenberg jeden Juni, wenn sie für drei Wochen mit ihrer immer ausgedehnteren Klavier- und Kammermusikfamilie aus Freunden und Verflossenen, Schülern und Sympathisanten den intim holzgetäfelten Konzertsendesaal des Radios besetzt. Dieses Mal aber hatte sie sich – gemeinsam mit ihrem musikalischen Co-Direktor Carlo Piccardi – eine besondere Hommage für den schwer an Parkinson erkrankten, zum kleinen, aber geistig ungebeugten Männchen zusammengeschrumpften Weissenberg ausgedacht: eine konzertante Aufführung seines spät-surrealistischen Jazz-Musicals „La Fuge“ aus dem Jahr 1979 für einen Erzähler, fünf Sänger und 14 Pianisten.

Der Tod als Rettung

dDer Soziologe Gerhard Schulze verteidigt in einem Essay die Rentnerin Bettina S., deren Freitod heftiger diskutiert wird, als das Leben. Er argumentiert mit den Ängsten, die jeder hat, dem das Pflegeheim blüht, zum Beispiel mit der Angst vor dem Verlust der Privatsphäre:

„Aber was gibt es für die Insassen eines Pflegeheims mehr als tatenloses Herumsitzen in schlecht gelüfteten Räumen? Was fangen sie mit ihrer Zeit an? Wie sieht ihr Alltag aus? Rentner und Rentnerinnen wie Bettina S. erwartet ein Zweibettzimmer, weil ihre Rente für etwas Besseres nicht reicht und die Sozialhilfe etwas Besseres nicht zahlt. Jeder Gefängnisinsasse lebt menschenwürdiger, denn er darf alleine in seiner Zelle hausen und es sich dort gemütlich machen. Im Pflegeheim dagegen droht der völlige Verlust der Privatsphäre. Mit einer wildfremden Person zusammengepfercht, deren Präsenz man nun tagein, tagaus ertragen muss: Allein das schon ist – von allen anderen Gräueln abgesehen – ein Grund, das Heim abzulehnen.
Völlig unbegriffen ist das Ausmaß der Verzweiflung, die bereits bei Menschen mittleren Alters zu beobachten ist. Was wird aus mir, wenn ich nicht mehr so leben kann, wie ich will? Wie vermeide ich die Existenz in einer Pflegeeinrichtung, bei lebendigem Leib begraben? Bettina S. brauchte ihre Bücher, ihren Computer, ihre eigenen vier Wände, ihre Selbstständigkeit wie ein Verhungernder Wasser und Brot. Sie konnte den Gedanken nicht ertragen, von Fremden gepflegt zu werden und noch mehr Bewegungsfreiheit zu verlieren, als sie schon verloren hatte. Was ist daran so schwer zu verstehen?“

Das ist exakt die Frage, die ich mir auch stelle. Vor allem, wenn ich die bischöflichen Appelle an die Pflicht dahinzuvegetieren höre…