Das von Geheimnissen umwitterte Departement Calmy-Reys hat scheinbar die Angewohnheit, Geheimdokumente herumliegen zu lassen. Diese sind im Fall Betancourt – Calmy-Rey – Gontard, Alex Baur in die Hände geraten. Er hat zu recherchieren angefangen und aufgedeckt, dass das Schweizer Aussendepartement EDA (unter „Führung“ von Micheline Calmy-Rey) die politischen Manöver der kolumbianischen Terrororganisation Farc nicht nur toleriert, sondern unterstützt. Micheline Calmy-Reys Emissär Jean-Pierre Gontard machte mit den Entführern gemeinsame Sache. Und das EDA und mit ihm aller Wahrscheinlichkeit nach der Gesamtbundesrat, eine Farc-Filiale in der Schweiz toleriert.
Am selben Tag, an dem der Artikel von Alex Baur erschienen ist, wurde Ingrid Betancourt von Geheimdiensten und Polizei aus der Geiselhaft befreit.
Am Tag danach beweihräucherten die Schweizer Medien das EDA. Micheline Calmy-Rey konnte nicht genug betonen, wie sehr sie sich für die Befreiung Betancourts angestrengt habe – und dankte sich selber.
Kein Wort darüber, dass Kolumbien die Schweiz bereits Tage zuvor mit dem Vorwurf konfrontierte, Calmy-Rey und Gontard pflegten einen, gelinde gesagt, etwas zu intensiven Kontakt mit den Rebellen der Farc. Im Laptop des stellvertretenden Farc-Präsidenten Raul Reyes waren Dokumente gefunden worden, die Gontards Parteinahme für die Farc entlarvten. Die Dokumente wurden an die Schweiz weitergeleitet. Bogota erwarte von der Schweiz nicht nur eine Erklärung, sondern Konsequenzen, erklärte Kolumbiens Botschafterin in der Schweiz, Claudia Jimenez. Bogota will keine „guten Dienste“ mehr von den Schweizer Vermittlern.
Dass die Medien darüber berichten, liegt an der Botschafterin Kolumbiens. Wäre sie nicht vor die Medien getreten, würde Calmy-Rey von den Schweizer Medien immer noch zur Befreiungsheldin erhoben. Die Schweizer Medien verbreiten nicht mehr als die entsprechende sda-Meldung.
Calmy-Rey will sich zu den Vorwürfen scheinbar nicht äußern; sie blieb für die Medien unerreichbar. Und die entsprechenden Stellen im EDA scheinen alles ausgeflogen zu sein: Niemand soll erreichbar sein.