Es wäre schön, wenn es das gäbe, doch vorläufig ist das nur Wunschdenken. Auch Lukas Wick erliegt diesem zum Teil, wenn er schreibt
“Wie sich das islamische Establishment theologisch zur politischen Moderne und ihrer freiheits- und individualrechtlichen Grundlage stellt, ist keineswegs unbedeutend. Das mangelnde theologische Bewusstsein für die Prinzipien der Religionsfreiheit und der Rechtsgleichheit der Staatsbürger hat etwas durchaus Beunruhigendes. Für Muslime, die sich in den vergangenen Jahrzehnten in Europa und Amerika niedergelassen haben, mögen solch knifflige theologische Fragestellungen wenig relevant sein; sie haben sich nämlich mehrheitlich an die ortsüblichen Gepflogenheiten angepasst und verhalten sich meist toleranter, als dies ihre Religionszugehörigkeit eigentlich erwarten liesse – womit keineswegs bestehende Integrationsprobleme blauäugig schöngeredet werden sollen. Es wäre zu hoffen, dass die positiven Erfahrungen von Muslimen in der Diaspora Eingang finden in die theologischen Debatten in der muslimischen Welt.
Doch dann besinnt er sich doch noch
Die Frage negativer Religionsfreiheit ist dabei die eigentliche Gretchenfrage. An ihr wird sich letztlich entscheiden, ob eine (institutionalisierte) islamische Theologie imstande ist, ein gleichberechtigtes Zusammenleben auch dann zu befürworten und zu legitimieren, wenn die eigenen Überzeugungen von anderen nicht geteilt oder gar abgelehnt werden. Muslimische Intellektuelle haben diesbezüglich schon einige Vorarbeit geleistet, es wäre nun an den Ulama, diese Impulse aufzunehmen.


