Lust auf Lesen

Heinrich Detering hat die Novelle „Schweigeminute“ von Siegfried Lenz rezensiert.

„Die eigentümliche Spannung von Siegfried Lenz’ Novelle ergibt sich kaum aus ihrer schlichten Fabel, sondern wesentlich aus der Ökonomie des Erzählens, einer kammermusikalischen Genauigkeit und Diskretion. Wie in Martin Walsers in mancher Hinsicht vergleichbarer Geschichte vom „Fliehenden Pferd“ entsteht das Geflecht der Leitmotive und Dingsymbole wie von selbst aus der Aufmerksamkeit für die realistischen Details. Wie dort die Bodenseelandschaft unmerklich zum Bedeutungsraum wird, so hier die Küstenlandschaft der Ostsee. Es ist die Landschaft Storms und Andersens, eine kleine und randständige, mit knappen Strichen gezeichnete Hafenstadt nahe der dänischen Grenze, die zum Schauplatz der Tragödien wird. Und es sind die im Wortsinne elementaren Gewalten, die das Leben bestimmen – aber erzählerisch zurückgenommen ins Kleinformat des Alltäglichen.“

Lassen auch Sie verführen, die Geschichte zu lesen.
Siegfried Lenz: „Schweigeminute“. Novelle. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2008.