Leseprobe „Gestorben wird später“ von Hans Zengeler

Der Schriftsteller Hans Zengeler, Autor von z.B. „Rosskuren“, „Traumtänzer“, „AbLeben“ und beliebter Hörspiele, hat 30 Seiten seines noch unveröffentlichten Romans „Gestorben wird später“ als Leseprobe (.pdf) ins Netz gestellt. Hier die erste Seite

„MONTAG,31.MÄRZ
Gestern habe ich mein Testament gemacht. Sicher ist sicher.
Man weiß ja nie. Vor allem dann nicht, wenn man weiß, dass
es einem in Bälde an den Kragen geht. Auf einem gewöhnli-
chen Blatt Papier habe ich meinen letzten Willen bekundet,
übrigens zum ersten Mal in meinem Leben. Das hört sich tra-
gischer an, als es ist. Zwar habe ich es zunächst als betrüb-
lich bis befremdend empfunden, zu einer solchen Handlung
durch das mir bevorstehende Ereignis gezwungen zu werden,
doch als die emotionale Hürde der Letztgültigkeit übersprun-
gen war, stellte sich überraschenderweise ein Gefühl von
Sachlichkeit ein, wie man es etwa beim Verfassen eines Ge-
schäftsbriefes empfindet.
Es ist nicht kompliziert gewesen, zumal ich außer spärlichen
Sachwerten (ein paar tausend Bücher), einem Kontostand von
ein paar hundert Euro und einer kleinen Versicherung (3000
Euro) nichts zu vererben habe. Ich glaube nicht, dass sich
meine Hinterbliebenen darüber wundern werden. Der Ein-
fachheit halber habe ich Ira zur Alleinerbin bestimmt, in dem
sicheren Wissen, dass sie alles schon richtig machen bezie-
hungsweise gerecht verteilen wird.“

Ein mitreissender Zengeler, fesselnd, rasant, die ersten 30 Seiten machen süchtig – nach mehr.

Angelus Novus fünf Tage im Paul Klee Zentrum

Das Israel Museum in Jerusalem leiht sein berühmtes Bild „Angelus Novus“ von Paul Klee kaum an andere Museen aus. „Angelus Novus“ hat das schützende Haus seit 30 Jahren nicht mehr verlassen. In dieser Woche reist es nach Bern – für ganze fünf Tage und fünf Nächte. Danach kehrt es wieder nach Israel zurück. Damit möglichst viele Besucher dieses Bild sehen können, ist das Paul Klee Zentrum vom 31. Mai bis zum 4. Juni Tag und Nacht geöffnet, berichtet Uta Baier.

„Angelus Novus“, 1920 in Weimar entstanden, gehörte einst Walter Benjamin. Er hat dieses so flüchtig, und durchscheinend wirkende Wesen mit den bohrenden, fordernden Augen berühmt gemacht, denn er sah in der Aquarellzeichnung den „Engel der Geschichte“.
„Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradies her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, dass der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm“, schrieb Walter Benjamin. Das Klee-Zentrum in Bern, das eine Ausstellung zu Klees Gartenbildern zeigt, die Zauber und Paradies versprechen, nimmt die Fünf-Tages-Engels-Leihgabe aus Jerusalem zum Anlass, auch das Gegenteil des Paradieses auszustellen – die Katastrophen des irdischen Lebens, die die Künstler eben so sehr interessieren, wie die Paradiese.“

Bis zum 24. Mai findet im Zentrum Paul Klee die Ausstellung „Suche nach dem Orient – von Bellini bis Paul Klee“ statt. Mehr darüber finden sie hier

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Als Gottes Botschafter zum Star

Matthias Heine fragt nach den Gründen für den Erfolg von Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“, das seit zwei Jahren an der Spitze der Bestsellerliste steht.
Kerkeling, meint, Heine, knüpfe an der Jakobsweg-Methode, die die wiedergeburtsgläubige Esoterikerin Shirley McLaine mit ihrem im Jahr 2000 veröffentlichten Buch „The Camino“ angefangen habe.

„Inwieweit sich hinter Kerkelings Erfolg tatsächlich eine neu erwachte Sehnsucht nach alteuropäischer Spiritualität verbirgt, ist viel diskutiert worden. Beim Autor selbst ist sie durchaus vorhanden. Kerkeling und seine Wandergefährtinnen fragen sich bei einer weinseligen Pilgerrunde: „Hat Gott eigentlich auf dem Weg mit euch gesprochen?“ Es dauert, bis jemand antwortet: „Sure he did!“, sagt Sheelagh. Klar, hat er. Dann gestehen es alle. Und die Fragestellerin, Evi aus Schweden, strahlt: „Ja, wenn er zu einem spricht, dann ist man zunächst so voller Freude … aber dann kommen einem die Zweifel. Bin ich verrückt, bilde ich mir das ein, halte ich mich für was Besonderes? Aber dann, wenn man es weiter zulässt, geschehen unglaublich Dinge! Wunder!“

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Gute Literatur wird kaum gelesen

Die Literaturförderung bettet Schriftsteller so bequem, dass sie keine große Literatur mehr schreiben müssen. Der Schriftsteller Richard Wagner antwortet auf die Polemik in der F.A.Z. „Hungert sie aus“. Er sieht die Literaturkritik den Publikumslaunen hinterherlaufen, weil sie keinen eigenen Wertemaßstab hat.

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Künstlerische Freiheit?

In den Niederlanden wurde ein Karikaturist festgenommen. Seine links- und islam kritischen Karikaturen werden als Rassismus eingestuft. Die Meldung wird der Öffentlichkeit von den Medien vorenthalten.
Nackte Oberkörper und kurze Hosen sollen verboten werden. Fordern Hollands Muslime.

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Jonathan Littell ist nur an Sex interessiert

Tilman Krause hat Jonathan Littell in Berlin gelauscht und plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: Littell interessiert sich nicht einmal am Rande für Geschichte, sondern lediglich für Sexfantasien in Nazikostümierung. Das aber wertet „Die Wohlgesinnten“ für Krause nicht eigentlich ab. Im Gegenteil…

„Meere“ erscheint Ende Mai

Rund fünf Jahre nach dem Verbot des Romans „Meere“ per Gerichtsbeschluss, wird der Roman von Alban Nikolai Herbst Ende Mai im Frankfurter Verlag Axel Dielmann erscheinen.
Ursprünglich sollte der Roman 2003 im Mare-Verlag erscheinen. Die ehemalige Lebensgefährtin des Autors hatte sich durch die Beschreibung intimer Szenen in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt gesehen und gegen Passagen des Buches erfolgreich geklagt. Nun liegt die Neufassung mit den überarbeiteten Passagen vor.
Volltext hat den Roman bereits abgedruckt

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Jonathan Littell erklärt die Nazis

Tilmann Krause hat mitverfolgt, wie Jonathan Littell in Berlin mit Historikern über seinen Roman „Die Wohlgesinnten“ diskutierte und unter anderem „die ans Schnöselhafte grenzende Nonchalance des Absolventen französischer Elite-Schulen“ demonstrierte.

Wie gesagt, das Phänomen Littell gewinnt an Kenntlichkeit. Mit jedem seiner spärlichen Auftritte in der Öffentlichkeit mehr. Hatte er bei einer ersten Diskussion im Berliner Ensemble bereits versichert, wie sehr ihn die Massaker im auseinander brechenden Jugoslawien und in Tschetschenien, deren Zeuge er war, belehrt haben über das, was sich in Extremsituationen als menschenmöglich erweist, so ist bei einem weiteren Auftritt, Dienstag im Deutschen Historischen Museum zu Berlin, noch mehr zutage getreten. Littell, der sich in der Umrahmung durch gestandene Historiker sichtlich wohler fühlte als unlängst im Zwiegespräch mit dem Alt-68er Daniel Cohn-Bendit, referierte konzentriert und freimütig.
Deutlich wurde dabei zunächst einmal die Unbekümmertheit des Amerikaners, der Filme und Comics genauso sein Bild vom Nationalsozialismus hat bestimmen lassen wie die Erträge seriöser wissenschaftlicher Forschung, in der er auf so stupende Weise bewandert ist. Deutlich wurde zum zweiten die ans Schnöselhafte grenzende Nonchalance des Absolventen französischer Elite-Schulen, der sich dem profanum vulgus allein dadurch überlegen wähnt, dass er sich einfach methodisch für wahnsinnig versiert hält. Deutlich wurde schließlich drittens die generationsspezifische Fixierung auf theoretische Erklärungsmodelle, vor allem solche, die um die Sexualität zentriert sind.

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„Neid“ von Elfriede Jelinek

Hubert Spiegel hat sich mit dem Buch, das kein Buch ist, weil es nicht gedruckt, sondern allenfalls ausgedruckt wird, dem Roman, der kein Roman ist, sondern ein „Privatroman“ auseinandergesetzt und das gesamte Werk der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek gelesen.

„Neid“, das ist eine Geschichte, die keine Geschichte erzählt, sondern Geschichte verhandelt: Privatgeschichte und Zeitgeschichte, Wassertropfen aus der alltäglichen Nachrichtenflut bis hin zu Amstetten und Natascha Kampuschs Schicksal.
Das Sterben der Städte, das Verschwinden der Arbeit, Frauenschicksale und Männerklischees, der Hass auf Österreich, die verkommene Touristenkulisse und perfekte Probebühne für die Tragödien und Farcen des Welttheaters, das sind in etwa die wichtigsten Themen dieses Projekts, das im vergangenen Jahr begonnen und vor kurzem abgeschlossen wurde, als die Autorin dem Wörtchen „Ende“ noch eine Nachbemerkung folgen ließ: „Unvollständige oder fehlerhafte Sätze bitte (jeder für sich selbst) ergänzen bzw. korrigieren.“

[ mehr dazu / oder über Fritzls und Amstetten ]

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75. Jahrestag der Bücherverbrennung

Zum 75. Jahrestag der Bücherverbrennung am 10. Mai 2008 erscheinen im Olms Verlag die ersten zehn Titel aus der »Bibliothek Verbrannter Bücher« in einer Kassette. Die ersten zehn Bände und der Dokumentationsband sollen im Rahmen des Pressegesprächs vorgestellt und Schülern des Erich-Hoepner Gymnasiums Berlin und des Einstein Gymnasiums Potsdam überreicht werden. Über 4000 weitere Schulen in Deutschland erhalten im Mai 2008 die „Verbrannten Bücher“ als Geschenk. Folgende Titel wurden für die ersten zehn Bände ausgewählt:

Salomo Friedlaender, Kant für Kinder
André Gide, Kongo und Tschad
Theodor Heuss, Hitlers Weg
Franz Kafka, Beim Bau der Chinesischen Mauer
Gina Kaus, Morgen um Neun
Erich Kästner, Herz auf Taille / Lärm im Spiegel
Jack London, Martin Eden
Anna Seghers, Auf dem Wege zur Amerikanischen Botschaft
Walther Rathenau, Zur Kritik der Zeit
Kurt Tucholsky, Lerne lachen ohne zu weinen

Es ist schon ein seltsamer Zufall, dass nur zwei Tage vor der Präsentation der „verbrannten Bücher“ von linker Seite Zeichen auftauchen, die stark an die Bücherverbrennungen unter der Nationalsozialisten erinnern…

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