Der Schriftsteller Hans Zengeler, Autor von z.B. „Rosskuren“, „Traumtänzer“, „AbLeben“ und beliebter Hörspiele, hat 30 Seiten seines noch unveröffentlichten Romans „Gestorben wird später“ als Leseprobe (.pdf) ins Netz gestellt. Hier die erste Seite
„MONTAG,31.MÄRZ
Gestern habe ich mein Testament gemacht. Sicher ist sicher.
Man weiß ja nie. Vor allem dann nicht, wenn man weiß, dass
es einem in Bälde an den Kragen geht. Auf einem gewöhnli-
chen Blatt Papier habe ich meinen letzten Willen bekundet,
übrigens zum ersten Mal in meinem Leben. Das hört sich tra-
gischer an, als es ist. Zwar habe ich es zunächst als betrüb-
lich bis befremdend empfunden, zu einer solchen Handlung
durch das mir bevorstehende Ereignis gezwungen zu werden,
doch als die emotionale Hürde der Letztgültigkeit übersprun-
gen war, stellte sich überraschenderweise ein Gefühl von
Sachlichkeit ein, wie man es etwa beim Verfassen eines Ge-
schäftsbriefes empfindet.
Es ist nicht kompliziert gewesen, zumal ich außer spärlichen
Sachwerten (ein paar tausend Bücher), einem Kontostand von
ein paar hundert Euro und einer kleinen Versicherung (3000
Euro) nichts zu vererben habe. Ich glaube nicht, dass sich
meine Hinterbliebenen darüber wundern werden. Der Ein-
fachheit halber habe ich Ira zur Alleinerbin bestimmt, in dem
sicheren Wissen, dass sie alles schon richtig machen bezie-
hungsweise gerecht verteilen wird.“
Ein mitreissender Zengeler, fesselnd, rasant, die ersten 30 Seiten machen süchtig – nach mehr.



