Reiner Zynismus?

Es war die Nahrungsmittelknappheit, die den Fortschritt brachte, behauptet Thomas Vitzthum. Für die Evolution spielte sie eine wichtige Rolle – sie nämlich machte den Menschen zum Kulturträger.

„Schauplatz Afrika: Als Wiege der Menschheit kann man nach der am häufigsten vertretenen Meinung ein sichelförmiges Gebiet annehmen, das sich von Äthiopien aus südwärts streckt und parallel zur Ostküste verläuft. Hier lebte ein Vorfahre von Affe und Mensch auf Bäumen. Vor rund sieben Millionen Jahren wurde im Norden des Planeten das Klima kälter. Die fernen Gletscher entzogen der Atmosphäre Wasser, Afrika trocknete aus. Da verließen die Hungrigen den verbliebenen Wald und wagten sich in grasbestandene Gebiete. Wer auf zwei Beinen gehen konnte, überlebte, weil er Beute und Feinde schneller erspähen konnte. Als sich das Klima erwärmte, blieben unsere Vorfahren in der Savanne. Aber der Hunger kam wieder.
So las der Urmensch eines Tages nicht mehr nur Steine vom Boden auf, um sie als Hilfsmittel zu verwenden, sondern schlug gezielt zwei Brocken gegeneinander – ein scharfes Werkzeug entstand. „Wer seine weiterentwickelten motorischen Fähigkeiten ausreichend nutzte und bessere Geräte und Waffen herstellte, hatte gegenüber seinen Artgenossen einen Vorteil. Er konnte mehr Nachkommen ernähren. So führte der Hunger indirekt durch das Selektionsprinzip dazu, dass sich der kulturell weiter entwickelte Mensch behauptete“, sagt Czarnetzki.
Das Anschwellen der Population führte zu neuer Nahrungsmittelknappheit, einige Urmenschen wanderten aus. Kleinasien und Indien waren vielleicht die ersten Ziele der Jäger und Sammler. Auch Europa erreichten sie früh, sagt Czarnetzki: „Ein 640 000 Jahre alter Unterkiefer, der bei Heidelberg gefunden wurde, zeigt, dass die Europäer oft unter Hungerperioden litten. Die Verfeinerung der Werkzeugkultur war sehr wichtig.“
Der Mensch eroberte den Lebensraum. Das Aussterben fast aller großen Wildtiere Europas, Australiens und Nordamerikas fällt mit dem Auftreten des Menschen zusammen.“

Nach diesen Thesen müsste jede Nahrungsmittelhilfe eingestellt werden, denn sie verhindert den Fortschritt…

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