Wohlwollend betrachtet Dirk Knipphals Martin Walser bei der Lesung in Weimar:
“Kronleuchter, Säulen, der Bundespräsident – alles wurde im Festsaal des Stadtschlosses aufgefahren, um diesen Goethe-Roman und seinen Autor würdevoll zu feiern. Selbst das Wetter spielte mit und zauberte einen Sternenhimmel über die Klassikerstadt. Nur Martin Walsers Krawatte stach aus alledem heraus. Auf ihr befanden sich giftig hellblaue, kaum zu identifizierende Muster; manche Beobachter wollen Autos auf ihr bemerkt haben. Diese Krawatte war das kleine anarchische Moment, ein Hinweis auf eine sympathische Leck-mich-am-Arsch-Haltung in dieser Rundum-Literaturweihe-Inszenierung. Letztlich stand die Krawatte Martin Walser sogar ganz gut. Sie war das, was von seinen üblichen Sujets her – den kleinbürgerlichen, vergrübelten Nicht-mit-sich-klar-Kommern – in diesen Weihewillen hineinragte.”


