Sind das jetzt die weniger bedeutenden Kritiker, die da einen Tag vor Erscheinen von Jonathan Litttells Roman „Die Wohlgesinnten“ aus den Löchern kriechen – oder hat sich die erste Begeisterung für das Werk erschöpft und in Minne aufgelöst?
Eigentlich ist es vollkommen gleichgültig, doch es freut mich, dass auch Burkhard Scherer die Frage stellt, warum die Kritiken ein so bedeutungsschwangeres Raunen auslösen und zum Schluss kommt:
„Zwei Vermutungen drängen sich dazu auf: Texte mit vielen Leichen produzieren offensichtlich reflexhaft einen pietätvollen Umgang, als sei Kritik Störung der Totenruhe, und zweitens ist da der Aspekt der Einschüchterungsprosa, sensible Hochbildungspartikel hier und da, man könnte ja an einem vorbeigestolpert sein und damit die Zentralpointe verschlafen haben. Kristallisiert findet sich das zum Beispiel in einer der Frühstartrezensionen aus dem Bereich des deutschsprachigen Qualitätsfeuilletons: ‘Man traut sich nach einer ersten Lektüre nicht mit Sicherheit zu sagen, ob alles zuletzt nicht doch tiefer zusammenhängt.’ Nach einer zweiten Lektüre traut sich dieser Berichterstatter, mit Sicherheit – und mit Robert Gernhardt – zu sagen: ‘Mein Gott, ist das beziehungsreich! Ich glaub’, ich übergeb’ mich gleich.’“


