Deutschland versus Liechtenstein

Eine der wenigen Zeitungen, deren Redakteure sich noch aufs Recherchieren verstehen, ist das Wall Street Journal. Heute weiß es von der Enttarnung des DVD-Verkäufers an den BND zu berichten. Sein Name soll Heinrich K. sein; er lebt mit seinen 4,2 Millionen Euro in Australien. Die Daten, die er der LGT geklaut hat, datieren bis ins Jahr 2002. Der Rest – sofern dieser nicht nur in den Köpfen der Nachrichtendienstler existiert – nämlich ab 2003-05 scheint Dichtung zu sein. Patrick Bahners scheint sich teilweise geirrt zu haben: es muss wenigstens einen Dichter in Liechtenstein gegeben haben…
Aber darum geht es hier eigentlich gar nicht, es geht um das, was unter Beifall breiter Bevölkerungsschichten vom Rechtsstaat Deutschland bleibt. Die Massen hassen die „Reichen“ und zollen dem (Un)rechtsstaat begeistert Beifall, ohne auch nur einen Gedanken an die Tatsache zu verschwenden, dass sich das Finanzamt vom BND hat zur Hehlerin machen lassen – und das mit Einwilligung der CDU, der Bundeskanzlerin und ihrer Partnerpartei, der SPD.
In den meisten Redaktionsstuben scheint Jubel ausgebrochen zu sein; den Redakteuren und Journalisten mangelts an klaren Gedanken. Die Mannen und Frauen von SpON sehen nur noch ein von einem „Steuerskandal erschüttertes Deutschland“. Die Frankfurter Rundschau berichtet, die Bundesregierung wolle internationale Sanktionen gegen das Fürstentum ergreifen. Der Finanzplatz Liechtenstein lebe „zu einem guten Teil vom Steuerhinterziehungsgeschäft“, heißt in einem internen Papier des Bundesfinanzministeriums.

So könnten Informationspflichten sowie Gebühren für die Transaktionen eingeführt und eine Quellensteuer auf Zahlungen in Steueroasen erhoben werden. Das Ministerium bestätigte, dass darüber debattiert wird – auch wenn noch nichts beschlossen sei.

Das ist zwar eine unverhohlene Drohung, aber keineswegs so beunruhigende, wie das Hurragebrüll der Massen.

Der Fall Havemann

Havemann, ein Sohn, der seinem Vater nicht vergeben kann. Ein Buch, das eine Familie zerstört. Klagen, die geschwärzte Stellen bringen. Marcus Auer hat Florian Havemann in dessen Atelier besucht – und berichtet über 1100 Seiten Einsamkeit.

Florian Havemann ist der Sohn von Robert Havemann. Dem Robert Havemann, der im kommunistischen Widerstand war und vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt wurde. Dem Robert Havemann, der in der DDR zuerst ein Held war und dann der Staatsfeind, der überwacht wurde und unter Hausarrest stand, der Geist der Opposition in der DDR. Dessen Sohn, das ist Florian Havemann.

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