Nur ein mittelmässiges Werk

Ich bin beinah versucht, Iris Radisch dankbar zu sein, weil sie schreibt

Jonathan Littells Buch »Die Wohlgesinnten« will uns erklären, warum die Mörder mordeten, aber versinkt in widerwärtigem Kitsch

Den Grund für die Lobhudelei um Littell, ortet Radisch darin, dass der Romanautor versucht zu beschreiben, wie sich „Täterschaft von innen anfühlt“

Der detaillierte Bericht des nach Frankreich geflohenen SS-Mannes Dr. Max Aue über seine Jahrzehnte zurückliegenden Kriegserlebnisse füllt eine publizistische Lücke, die merkwürdigerweise noch niemandem aufgefallen war.
Diese Kühnheit hält die literarische Welt in Atem. Das Selbstporträt eines Mörders zu zeichnen, seine Kaltblütigkeit, seinen Amoralismus und seine Verwirrung in literarischer Stellvertreterschaft anzunehmen, ist ein Projekt von dostojewskijschem Format. Um es gleich zu sagen: Die ungewöhnliche Perspektive dieses ambitionierten Romans ist nicht das Problem. Sie ist im Gegenteil seine eminente Chance, dem Landser-Kitsch, dem Doku-Thriller und dem Edelporno zu entkommen, in die das Buch an vielen Stellen abzusinken droht.

Und schlussfolgert

Bleibt die allerletzte Frage: Warum sollen wir dieses Buch eines schlecht schreibenden, von sexuellen Perversionen gebeutelten, einer elitären Rasseideologie und einem antiken Schicksalsglauben ergebenen gebildeten Idioten um Himmels willen dennoch lesen? Ich muss gestehen: Pardon, chers amis français, aber auf diese Frage habe ich keine Antwort gefunden.

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„Die Wohlgesinnten“ – alle Medien bemühen sich

Jonathan Littels Roman „Die Wohlgesinnten“ muss zu einem Erfolg werden. Auch ARTE bemüht sich um ihn. avanti media hat für den Fernsehsender eine Dokumentation über Jonathan Littells Roman „Die Wohlgesinnten“ gedreht. In dem Film kommen In der Dokumentation kommen unter anderen auch Claude Lanzmann, Michel Friedman, der Verleger Antoine Gallimard zu Wort. Und der Schauspieler Christian Berkel liest aus der Fiktion Passagen, die von Oliver Hirschbiegel inszeniert worden sind. ARTE zeigt „Die Wohlgesinnten – Auf den Spuren eines literarischen Phänomens“ am Donnerstag, den 28.2. um 22:40 Uhr.
Wehe, wenn dieser Roman kein Erfolg im deutschsprachigen Raum wird….

„Nein“, denkt der Leser

Alles, wirklich alles in FAZ und FAS dreht sich um „Die Wohlgesinnten“ von Jonathan Littell.

Was ist das für ein Buch? Ein schreckliches Buch, ein Horrorbuch, grauenhaft, kitschig, brutal, pervers und obszön! Ein Buch über den Holocaust aus der Sicht eines Täters. Der SS-Obersturmbannführer Dr. iur. Maximilian Aue, schwul, Platonleser, leidenschaftlicher Verehrer von klassischer Bildung und Klaviermusik, in inzestuöser Radikalliebe seiner Zwillingsschwester verfallen, begleitet als beobachtender Täter die deutschen Truppen nach Osten und wieder zurück. Er ist bei den ersten Massenerschießungen in der Ukraine und im Kaukasus dabei, er ist eingeschlossen im Kessel von Stalingrad, er ist im Paris der Kollaborateure, immer wieder in Berlin, in den Lagern und Gaskammern von Auschwitz und am Ende in rasender Flucht auf dem Weg zurück nach Berlin, schließlich beim letzten Konzert der Philharmoniker in der Staatsoper, im Führerbunker, am Ende ganz allein am Zoo inmitten einer untergehenden Welt.

Hm, ich glaube, ich lese nur die Rezensionen – mehr nicht ;-)