Jonathan Littell erklärt jeden zum Nazi

Nicht nur im Reading Room wird über Jonathan Littells “Die Wohlgesinnten” nachgedacht. Tilman Krause hat das Buch gelesen und kommt zum Schluss

Es ist ein aufwühlendes emotionales Abenteuer, in das uns Jonathan Littell schickt, ein Abenteuer, dessen menschliche Elementargewalt weit über den historischen Rahmen hinausreicht, in den Littell es gestellt hat. Dass er darüber hinaus unserem Bild vom faschistischen Charakter neue, über Theweleits „Männerphantasien“ hinausgehende Züge gibt, macht sein Buch, das allerdings in seinen Längen und Detailobsessionen Schwächen des Erstlings zeigt, anregend und interessant.

Was nicht viel aussagt.

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“Die Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt”

Unter dem Titel “Protokoll eines langsamen Todes” bespricht Hanno Loewy die erstmals auf Deutsch erschienene “Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt”. Eine Chronik, die zum Teil so trocken ist, dass es einem eiskalte Schauer über den Rücken jagt. Auch wenn einem das “Niemehr” in den Ohr hallt; man vermag an letzteres heute kaum mehr zu glauben.

“Dreieinhalb Jahre verfassten sie täglich eine Chronik, die mit dem Wetterbericht begann. Es folgten Nachrichten aus dem Alltag der Stadt, vom Kulturleben bis zum Polizeibericht, von Meldungen über Streiks und Demonstrationen bis zur Gerichtsreportage, von Verlautbarungen der Behörden zu den Berichten aus der Wirtschaft und Produktion, Bevölkerungsdaten, Krankheiten, ja und im trockenen Ton der Statistik: die Sterbemeldungen. Darum ging es den wahren Herren dieser Stadt: ums Sterben. Möglichst geräuscharm, nichts sollte den Betrieb stören.”

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