Zürcher Kunstraub in den Feuilletons

Aufgeschreckt vom Wert der in der Region Zürich gestohlenen Bilder, fangen selbst die Feuilletonisten an Vermutungen über die Täterschaft anzustellen. Peter Dittmar vermutet hinter dem Raub der vier Impressionisten-Gemälde aus der Zürcher Sammlung Bührle weniger den ominösen Privatsammler als vielmehr Lösegeldforderung der organisierten Kriminalität.

Die Vorstellung, ein reicher Privatsammler habe dazu den Auftrag erteilt, um sich an einem geheimen Ort in einer verschwiegenen Privatgalerie an den Bildern zu delektieren, wird zwar gern kolportiert. Doch noch nie hat sich dafür ein Beweis gefunden. Und die gängigste Praxis, wenngleich von den Betroffenen stets bestritten, ist die Lösegeld-Erpressung. Für so manches gestohlene Gemälde, das sich „zufällig“ in einem Bahnhofsschließfach oder einem anderen Ort fand, wurde ein Betrag gezahlt, der erheblich unter der Versicherungssumme liegt – von durchschnittlich zehn bis 20 Prozent ist die Rede.

Und weil Emil Georg Bührle sein Vermögen mit Waffenhandel verdient hat, muss er, in den Augen von Dittmar, auch von Fluchtgut und Beutekunst profitiert haben. Ein Wunder, dass er nicht schreibt, am Raub wäre der längst verstorbene Bührle selber Schuld…
Harry Nutt kann sich kaum vorstellen, dass der Auftraggeber des Zürcher Coups nun kontemplativ vor der Beute hockt.
Auch Julia Voss glaubt nicht an die Mär vom Sammler, der als Auftraggeber zum Raub fungiert.

Ziel des „Art-Nappings“, der humaneren Form des Kidnappings, sind Lösegelder, die Besitzer oder Versicherungen oft an der Polizei vorbei zu zahlen bereit sind, getarnt als „Belohnung für Hinweise zur Wiederbeschaffung“. Die Folgen bekommen wir alle zu spüren: Kunstraub ist zu einem lukrativen Betätigungsfeld des organisierten Verbrechens aufgestiegen.

Und Stefan Koldehoff weiß, dass die Sicherheitsvorkehrungen im Bührle-Museum ungenügend gewesen sind. Aus Gründen, die nur ihm bekannt sind, verrät er das der Welt erst jetzt…