Joseph Conrad, die neuen Biografien

Uwe Pralle hat sich mit Joseph Conrads Werk und Josef Conrad, sowie mit den über ihn erschienenen Biografien befasst und einen umfangreichen Beitrag für die Literaturbeilage der NZZ verfasst. Er ist der Ansicht, Joseph Conrad bleibe einem fremd.

Vermutlich würde es niemanden wundern, wenn gut hundertfünfzig Jahre nach Joseph Conrads Geburt kaum mehr etwas von der Unruhe an den längst klassisch gewordenen Werken dieses Autors zu spüren wäre, den einst der Anspruch antrieb, «euch kraft des geschriebenen Wortes hören, fühlen – und vor allem sehen zu machen». Conrads literarische Welt scheint inzwischen zu historisch, um noch den Nerv des Fühlens, Sehens oder gar der Zeit zu treffen. Und befand er sich nicht schon zu Lebzeiten selbst in der Lage, dass – nachdem er fast zwanzig Jahre lang zur See gefahren war – zumindest Teile des später für sein Schreiben so elementaren Arsenals an Erfahrungen aus der Zeit zu fallen begannen? Denn als die Segelschiff-Ära endete, schwanden auch die Massstäbe für das grosse Abenteuer, auf den Weltmeeren ein Spielball von Wind und Gezeiten zu sein.

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