Qantara Interview mit Seyran Ates

Die Berliner Anwältin und Menschenrechtlerin Seyran Ates hat auf Qantara zum Erscheinen ihres Buches „Der Multikulti-Irrtum“ ein bemerkenswertes Interview gegeben.

Ates: „Ich sehe die Linken in der Integrationspolitik ganz besonders in der Verantwortung, denn sie haben lange Zeit Diskussionen verhindert, und sie haben, im Gegensatz zum Selbstverständnis von linkem Denken, nicht genau hingeguckt, was eigentlich in diesen Gesellschaften, in diesen Kulturen, die da zugereist sind, passiert.“

„Der Siedepunkt ist längst erreicht“, so lautet ein Zitat von Ihnen. Auch in Deutschland, so Ihre Meinung, müssen Islamkritiker um ihr Leben fürchten. 

Ates: „Ich selbst habe letztes Jahr meine Kanzlei geschlossen, weil mich ein Verfahrensgegner angegriffen hat. Davor habe ich immer wieder Anfeindungen erlebt. Ich finde, die Stimmung hier in Deutschland wird aggressiver, je lauter wir mit der Kritik werden. Und je aggressiver die Stimmung wird, desto eher werden auch Grenzen überwunden, Gewalt auszuüben. Wir haben hier schon längst eine ähnliche Situation wie in Großbritannien oder Frankreich.“

Sie bezeichnen die seit langem hier lebenden Ausländer und Zugereisten als Deutschländer und schätzen, dass 80 Prozent von ihnen noch nicht in Deutschland integriert sind. Was bedeutet das für die Integration?

Ates: „Dass wir noch einen langen Weg vor uns haben. Vor allem für die nächsten Generationen. Wenn wir uns die dritte Generation anschauen, dann sehen wir doch das Ergebnis dessen, was wir in den letzten Jahrzehnten versäumt haben. Und das macht mich verzweifelt, wenn es immer noch schöngeredet wird, obwohl die Situation der dritten Generation miserabel ist.“

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