Jonathan Littell ist nur an Sex interessiert

Tilman Krause hat Jonathan Littell in Berlin gelauscht und plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: Littell interessiert sich nicht einmal am Rande für Geschichte, sondern lediglich für Sexfantasien in Nazikostümierung. Das aber wertet “Die Wohlgesinnten” für Krause nicht eigentlich ab. Im Gegenteil…

“Meere” erscheint Ende Mai

Rund fünf Jahre nach dem Verbot des Romans “Meere” per Gerichtsbeschluss, wird der Roman von Alban Nikolai Herbst Ende Mai im Frankfurter Verlag Axel Dielmann erscheinen.
Ursprünglich sollte der Roman 2003 im Mare-Verlag erscheinen. Die ehemalige Lebensgefährtin des Autors hatte sich durch die Beschreibung intimer Szenen in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt gesehen und gegen Passagen des Buches erfolgreich geklagt. Nun liegt die Neufassung mit den überarbeiteten Passagen vor.
Volltext hat den Roman bereits abgedruckt

Jonathan Littell erklärt die Nazis

Tilmann Krause hat mitverfolgt, wie Jonathan Littell in Berlin mit Historikern über seinen Roman “Die Wohlgesinnten” diskutierte und unter anderem “die ans Schnöselhafte grenzende Nonchalance des Absolventen französischer Elite-Schulen” demonstrierte.

Wie gesagt, das Phänomen Littell gewinnt an Kenntlichkeit. Mit jedem seiner spärlichen Auftritte in der Öffentlichkeit mehr. Hatte er bei einer ersten Diskussion im Berliner Ensemble bereits versichert, wie sehr ihn die Massaker im auseinander brechenden Jugoslawien und in Tschetschenien, deren Zeuge er war, belehrt haben über das, was sich in Extremsituationen als menschenmöglich erweist, so ist bei einem weiteren Auftritt, Dienstag im Deutschen Historischen Museum zu Berlin, noch mehr zutage getreten. Littell, der sich in der Umrahmung durch gestandene Historiker sichtlich wohler fühlte als unlängst im Zwiegespräch mit dem Alt-68er Daniel Cohn-Bendit, referierte konzentriert und freimütig.
Deutlich wurde dabei zunächst einmal die Unbekümmertheit des Amerikaners, der Filme und Comics genauso sein Bild vom Nationalsozialismus hat bestimmen lassen wie die Erträge seriöser wissenschaftlicher Forschung, in der er auf so stupende Weise bewandert ist. Deutlich wurde zum zweiten die ans Schnöselhafte grenzende Nonchalance des Absolventen französischer Elite-Schulen, der sich dem profanum vulgus allein dadurch überlegen wähnt, dass er sich einfach methodisch für wahnsinnig versiert hält. Deutlich wurde schließlich drittens die generationsspezifische Fixierung auf theoretische Erklärungsmodelle, vor allem solche, die um die Sexualität zentriert sind.

“Neid” von Elfriede Jelinek

Hubert Spiegel hat sich mit dem Buch, das kein Buch ist, weil es nicht gedruckt, sondern allenfalls ausgedruckt wird, dem Roman, der kein Roman ist, sondern ein “Privatroman” auseinandergesetzt und das gesamte Werk der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek gelesen.

„Neid“, das ist eine Geschichte, die keine Geschichte erzählt, sondern Geschichte verhandelt: Privatgeschichte und Zeitgeschichte, Wassertropfen aus der alltäglichen Nachrichtenflut bis hin zu Amstetten und Natascha Kampuschs Schicksal.
Das Sterben der Städte, das Verschwinden der Arbeit, Frauenschicksale und Männerklischees, der Hass auf Österreich, die verkommene Touristenkulisse und perfekte Probebühne für die Tragödien und Farcen des Welttheaters, das sind in etwa die wichtigsten Themen dieses Projekts, das im vergangenen Jahr begonnen und vor kurzem abgeschlossen wurde, als die Autorin dem Wörtchen „Ende“ noch eine Nachbemerkung folgen ließ: „Unvollständige oder fehlerhafte Sätze bitte (jeder für sich selbst) ergänzen bzw. korrigieren.“

[ mehr dazu / oder über Fritzls und Amstetten ]

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75. Jahrestag der Bücherverbrennung

Zum 75. Jahrestag der Bücherverbrennung am 10. Mai 2008 erscheinen im Olms Verlag die ersten zehn Titel aus der »Bibliothek Verbrannter Bücher« in einer Kassette. Die ersten zehn Bände und der Dokumentationsband sollen im Rahmen des Pressegesprächs vorgestellt und Schülern des Erich-Hoepner Gymnasiums Berlin und des Einstein Gymnasiums Potsdam überreicht werden. Über 4000 weitere Schulen in Deutschland erhalten im Mai 2008 die „Verbrannten Bücher“ als Geschenk. Folgende Titel wurden für die ersten zehn Bände ausgewählt:

Salomo Friedlaender, Kant für Kinder
André Gide, Kongo und Tschad
Theodor Heuss, Hitlers Weg
Franz Kafka, Beim Bau der Chinesischen Mauer
Gina Kaus, Morgen um Neun
Erich Kästner, Herz auf Taille / Lärm im Spiegel
Jack London, Martin Eden
Anna Seghers, Auf dem Wege zur Amerikanischen Botschaft
Walther Rathenau, Zur Kritik der Zeit
Kurt Tucholsky, Lerne lachen ohne zu weinen

Es ist schon ein seltsamer Zufall, dass nur zwei Tage vor der Präsentation der “verbrannten Bücher” von linker Seite Zeichen auftauchen, die stark an die Bücherverbrennungen unter der Nationalsozialisten erinnern…

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30. Solothurner Literaturtage - Rückblick

Roman Bucheli hat in Solothurn scheinbar ein anregendes Wochenende verbracht. Einer der Höhepunkte war - neben den Lesungen von Adolf Muschg und Tim Krohn - der Auftritt von Marius Daniel Popescu:

“… gebannt (und vielleicht auch ein wenig verwundert oder entgeistert) konnte man den wilden Gesängen des 1989 aus Rumänien eingewanderten und seither in Lausanne als Buschauffeur tätigen Marius Daniel Popescu lauschen: wohl wissend, dass der Zauber des Textes verfliegen würde, müsste man ihn selber lesen und hörte man nicht in der rauen Stimme des Autors die Wälder Transsilvaniens rauschen. Für seinen Erstlingsroman ‘La symphonie du loup’, den er leider, wie er sagte, nicht erst bei 900 Seiten, sondern schon auf halber Strecke habe abschließen müssen, wurde er jüngst mit dem Robert-Walser-Preis ausgezeichnet. Seine geradezu in schamanischer Trance vorgetragene Prosa handelt von nichts und allem, sie befasst sich mit dem Leben und dem Nonsens, sie legt literarisch Zeugnis ab von der rumänischen Diktatur und verwandelt Biografie in Literatur. ‘La poesie est partout’, sagt er und träumt nicht mit Flaubert von einem Roman über nichts, sondern von einem Buch, das nie endet.”

Calmy-Rey bedauert

dass die offizielle Schweiz von Israel nicht eingeladen ist, an den Feierlichkeiten zum 60. Geburtstag Israels teilzunehmen. Aber Micheline Calmy-Rey, welche die offizielle Schweiz als Außenministerin vertritt, hat sich das selbst zuzuschreiben. Es ist weltweit bekannt, dass sie 2006 auf Seiten der Hisbollah stand und mit der Hamas genauso liebäugelt wie sie mit Irans Ahmadinedschad schäkert.
Micheline Calmy-Rey hat mit einem Staatschef angebandelt, der Israel vernichten und von der Landkarte tilgen will. Israel wäre nach meiner Ansicht verrückt, die Helfershelferin des eigenen Mörders zum Tee einzuladen

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Grosses Benefizkonzert mit Noëmi Nadelmann

zugunsten der Stiftung “Denk an mich”. Download Programm Flyer .pdf
Mittwoch, 21. Mai 2008,
Beginn 19:30 Uhr
Kultur & Kongresshaus (Saalbau)
Am Schlossplatz
Ticket Reservation

“Banalität des politisch Bösen”

Eben hat der Schriftsteller Franco Supino bewiesen, dass er Hannah Arendts “Die Banalität des Bösen” kennt. Mit seiner Rede in Solothurn will er die Schriftsteller dazu veranlassen, sich endlich gegen die Politik der SVP zu wenden. Er wirft der SVP Ausgrenzung von Parteimitgliedern und Minderheitenverfolgung vor. Er ruft seinen Zuhörern Genug, ehe es zu spät ist zu und hofft, dass sie seine Worte wiederholen - und weitergeben.
Die SVP, so Supino, sei der Feind der Intellektuellen, der Frauen, der Ausländer, der Linken und der Patrioten, die eine Heimat suchten. Wenn es zu einem Schulterschluss der SVP mit der Wirtschaft komme,

«Und dann, da bin ich mir sicher, haben wird das Desaster».

Ach, Franco Supino, die Schweiz ist nicht Italien. Die SVP ist keine faschistische Partei - und die Intellektuellen sind nicht auf den Kopf gefallen.
Seufz, das alles zum Tag der Arbeit.

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Das war zu erwarten

Bundesrätin Widmer-Schlumpf trennt sich von Livio Zanolari, den Informationschef des Justiz-Departementes - und zwar per sofort. Im “gegenseitigen Einverständnis”, wie das Departement sagt…
Eine Begründung lieferte weder das Departement noch Widmer-Schlumpf. Und Zanolari darf nichts sagen.
Nun ja, Widmer-Schlumpf hat ein seltsames Verhältnis zur Informationspolitik. Ihr Verhalten gegenüber der Öffentlichkeit ist einer freien Demokratie nicht würdig.
Zanolari wird durch eine passende Frau von der CVP-Frau ersetzt.

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